Der südliche Rathausanbau ist fertig
Die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen der Giebelhäuser am Neuen Markt 1a und der Großen Wasserstraße 19 sind abgeschlossen
26. September 2012, von Stefanie
Neuer Markt 1a – das ist nicht nur die Anschrift des südlichen Rathausanbaus, sondern so könnte man auch den Zustand bezeichnen, in den die alten Gebäude in den letzten drei Jahren wieder versetzt wurden. Gestern wurde der symbolische Schlüssel an den Oberbürgermeister überreicht und der Teil des Rathauses damit offiziell übergeben. Bereits seit Januar ist das Ortsamt Stadtmitte und die Ausländerbehörde unter dieser Adresse zu finden.
Doch nun sind auch die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im hinteren Bereich bis zur Großen Wasserstraße weitgehend fertiggestellt und die Verwaltung des Amtes für Management und Controlling und das Stadtamt in die modernen Büros und Beratungsräume eingezogen.
Im Keller wurden nicht nur die Technik, sondern auch die Archivräume untergebracht. Ein kleiner mittelalterlicher Keller wurde wieder hergerichtet. Hier sollen zukünftig Exponate des Stadtarchivs ausgestellt werden.

Zugänglich sind alle Bereiche des doch recht verwinkelten Gebäudes über einen neuen, halb versetzten Treppenlauf und barrierefrei über einen dreiseitigen Fahrstuhl. Der Eingang dazu befindet sich an der Seite, zwischen Neuem Markt 1 und Großer Wasserstraße 19, durch das prachtvolle Renaissanceportal, das 1967 durch eine Kopie ersetzt wurde und sich nach mehrmaligem Hin und Her heute wieder an seinem alten Platz befindet.

Zum Verweilen einladen – besonders für Hochzeitsgesellschaften, die vor dem Standesamt warten – soll der Schustergarten, der ebenfalls einer Schönheitskur unterzogen wurde. Der kleine öffentliche Platz hinter dem Rathaus ist von einem modernen Neubau umgeben, für den der alte Zwischenbau weichen musste. Von einem „zukunftsweisenden Kompromiss“ spricht Reinhard Wolfgramm von der federführenden Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), um an anderen Stellen Altes zu erhalten. So wurde die historische Substanz mit ihren Decken- und Wandverkleidungen, Stuckelementen, Parkettböden, Fenstern und Türrahmen unter denkmalpflegerischen Auflagen saniert und teilweise wieder sichtbar gemacht.
Architektin Kerstin Beyer beschreibt ihren Anspruch so: „Wir suchen eine Verbindung von alt und neu. Wenn das Alte noch da ist, sollte man es immer sanieren, sofern es die Bausubstanz hergibt. Muss Neues hinzugefügt werden, dann sollte man es aber auch konsequent tun, so, dass es nicht irgendeinem modernen Geschmack entspricht, sondern zeitlos modern ist.“ Gemeinsam mit ihrer Partnerin Diana Albert wurde sie für ihre Arbeit am Rathaus in diesem Jahr mit dem Rostocker Architekturpreis ausgezeichnet.

Insgesamt stehen in den sanierten Gebäudeteilen nun 3.600 qm zur Verfügung. Davon wurden 2.305 qm saniert und 1.295 neu gebaut. 7,8 Millionen Euro haben die Baumaßnahmen gekostet, 13 Prozent mehr als ursprünglich geplant. 4,8 Millionen stammen aus Städtebaufördermittel und mit drei Millionen hat sich die Hansestadt beteiligt.
Bereits 1934 hatte die Stadt das Haus für Verwaltungszwecke erworben. Zuvor befand sich in dem 1909/1910 gebauten Giebelhaus eine Bank, die 1921 auf dem Nachbargrundstück erweitert wurde. Seit 1978 stehen beide Gebäude unter Denkmalschutz. Das Haus Große Wasserstraße 19 entstand bereits 1798 als Wohn- und Geschäftshaus.