Ortsamt Stadtmitte zieht in sanierten Rathausanbau ein
Das Ende der Sanierung des historischen Anbaus des Rathauses ist abzusehen – das Ortsamt und die Ausländerbehörde ziehen hier ein
19. Januar 2012, von Stefanie
Umzugstrubel im Rathausanbau. In der hell erleuchteten Halle, wo sich zuvor der Modellraum und bis 1935 die Schalterhalle einer Bank befanden, werden zehn Schreibtische eingeräumt und die Computertechnik überprüft. Nächste Woche soll hier das Ortsamt Stadtmitte eröffnet werden.

Im Giebelhaus nebenan sind noch die Handwerker damit beschäftigt Kabel zu verlegen. Hier wird bald die Ausländerbehörde einziehen. Dafür wurde die untere Etage zu einem Großraumbüro umgestaltet und so die ursprüngliche Raumstruktur wieder hergestellt. Die historische Holzvertäfelung, die hier früher das Zimmer des Bankvorstehers schmückte, hat nun in einem der zahlreichen Büros der oberen Etagen einen neuen Platz gefunden. Hier werden zukünftig Teile des Amtes für Management und Controlling zu finden sein. Im Keller wird das Verwaltungsarchiv untergebracht.
„Dafür haben wir unseren Standort in der Alten Post am Neuen Markt aufgegeben. Der Bürocontainer hinter dem Rathaus kommt später auch weg. Die Kollegen ziehen dann wieder zurück“, erklärt Roswitha Thiel, zuständige Amtsleiterin für Management und Controlling. Die Anzahl der Verwaltungsmitarbeiter ändere sich dadurch nicht.

96 Arbeitsplätze stehen für sie in den beiden Giebelhäusern zum Neuen Markt hin, im neu errichteten Zwischenbau an der Großen Wasserstraße und im historisch wertvollen Gebäude Große Wasserstraße 19 bereit. Insgesamt eine Fläche von 3.600 qm.
„Eine richtig moderne Arbeitsstätte in einem historischen Ambiente“, betont Architektin Diana Albert und weist auf Besonderheiten der Räumlichkeiten hin. So wurde das alte Oberlicht in der ehemaligen Schalterhalle wieder hergestellt. Das kunstvolle Portal vom Eingang am Neuen Markt wird restauratorisch aufgearbeitet und dann an der Seite zur Großen Wasserstraße angebracht. Es werde schon Wanderportal genannt, denn es sei nicht sein erster Umzug. Im Gebäude Große Wasserstraße 19, das noch einer Baustelle gleicht, galt es den mittelalterlichen Gewölbekeller und Art-déco-Elemente zu sichern und nutzbar zu machen. Manchmal, wie im Treppenhaus, das nur an einer Wand mit dem original kräftigen Lila-Farbton gestrichen wurde, musste ein Kompromiss zwischen Denkmalpflege und Nutzerwünschen gefunden werden.

So entsprechen auch Schallschutz, Beleuchtung und Belüftung in den alten Gemäuern den neuesten Standards. Durch einen Aufzug sind alle Ebenen nun für mobilitätseingeschränkte Besucher erreichbar.
Die Sanierung des Gebäudekomplexes war nicht immer einfach, berichtet Reinhard Wolfgramm von der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS), die die Arbeiten koordinierte. Besondere Sorgen machten die Tragfähigkeit der Decken und der Schwammbefall im Dachstuhl, der immer wieder für Überraschungen sorgte und zu Bauverzögerungen führte. Im Frühjahr soll nach 1,5-jähriger Bauzeit alles fertig sein.
Auch im Hinterhof, wo sich sowohl Mitarbeiter, als auch Brautpaare aufhalten können, soll dann das Grün sprießen.
6,7 Millionen Euro wurden insgesamt in die Sanierung diesen Teil des Rathauskomplexes investiert, knapp 13 Prozent mehr als ursprünglich geplant.