Der schönste mittelalterliche Saal Rostocks kann ab morgen wieder besichtigt werden. Das Refektorium des Klosters zum Heiligen Kreuz zählt nicht nur zu den wichtigsten gotischen Räumen Mecklenburg-Vorpommerns, sondern ist für die neue Dauerausstellung des Kulturhistorischen Museums „Sakrale Kunst“ auch mit Kunstschätzen des Spätmittelalters bis zur Reformationszeit aus der Sammlung des Museums ausgestattet worden.
„Was wir hier präsentieren sind die bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerke, die aus Rostocks Vergangenheit übrig geblieben sind“, schwärmt Museumsleiter Dr. Steffen Stuth. Die Ausstellung strahle über die Stadt hinaus. Zu sehen sind „Objekte von landesweiter, teilweiser internationaler Bedeutung.“


Der Altar präsentiert sich nun so vollständig wie noch nie im Museum. Mithilfe eines virtuellen 3-D-Modells können Besucher den Altar wie im Mittelalter auf- und zuklappen und so Einzelheiten über das Kunstwerk erfahren.
Ebenfalls aus der Dominikanerkirche erhalten ist das um 1260 aus Niedersachsen mitgebrachte Triumphkreuz und ein Nebenaltar, der mangels Seitenflügeln optisch ergänzt wurde, um auch hier die Dimensionen erahnen zu können.
Der vermutlich letzte Rest des Hochaltars der Hospitalkirche zum Heiligen Geist, die bis 1819 an der Kröpeliner Straße/Ecke Faule Grube stand, ist die Figur des thronenden Gottvaters aus dem 15. Jahrhundert.
Am westlichen Ende des Raumes schließlich werden profane Gegenstände ausgestellt: Sitzwangen, die im 15. Jahrhundert in der Nikolaikirche eingebaut wurden, oder eine für Kirchen übliche Truhe, die heute das älteste Möbelstück in Rostock sein dürfte.

Nachdem der Raum bereits vor zwei Jahren technisch saniert wurde, widmeten sich bis zu vier Restauratoren gleichzeitig der 1480 entstandenen Bemalung, die einst die gesamte Decke zierte. Teilweise wurden bis zu neun Millimeter dicke Farbschichten heruntergenommen, um sie vollständig freizulegen. „150 laufende Meter Risse mussten gesichert werden“, beschreibt der Museumsleiter den schlechten Zustand. Die stark fragmentarischen Bemalungen wurden wieder zugeputzt. Nur der Teil - vier Joche -, in dem viel von der ursprünglichen floralen Deckenmalerei vorhanden war, blieb frei und wurde restauriert. „Das ist der Originalzustand der Malerei. Sie ist nicht rekonstruiert, nur gesichert, gereinigt und ganz leicht farblich retuschiert.“ Die Kosten für die Restaurierung wurden jeweils zur Hälfte von Stadt und Land getragen.

Die jetzige Fertigstellung des Saals bildet den Abschluss der Neugestaltung des Kulturhistorischen Museums, die 2002 mit dem Bereich des Kunsthandwerks begonnen hatte und insgesamt gut neun Millionen Euro gekostet hat.