Schon wieder ein Buch über den Nationalsozialismus? Ja und nein. Denn der neue Roman „Ein weißes Land“ von Sherko Fatah spielt zwar auch zu großen Teilen im Berlin des Zweiten Weltkriegs, jedoch dient dem Autor das Geschehen hauptsächlich als Kulisse für einen spannenden Abenteuerroman. Diesen stellte er bei der vierten Lesung der Literatour Nord 2011/2012 in der anderen buchhandlung vor.
Einen großen Pluspunkt konnte der Autor schon zu Beginn der Lesung verbuchen. Anders als bei den anderen Veranstaltungen der Literatour Nord hatte man gestern das Gefühl, durch die Lesung geführt zu werden. Sherko Fatah gab zu Beginn eine Einführung in die Geschichte und gab auch nach jeder Passage einen Überblick, wo sich die Zuhörer gerade in der Handlung befinden. So konnte man ihm und Hauptheld Anwar sehr gut folgen.

Sherko Fatah mischt in seinem Buch geschickt Wahrheit und Fiktion. So sind Orte, Handlungen und Personen historisch korrekt, die Geschichte um Anwar jedoch fiktional. Was im ersten Moment jedoch nach ganz viel Politik klingt, ist in Wahrheit ein großes Abenteuer. Immer wieder lernt Anwar neue Orte und Kulturen kennen, trifft spannende Menschen, erlebt Freundschaft und natürlich auch die Liebe und Gefahren.

Dieser Abschnitt sorgte bei einer Lesung in Lübeck für eine Diskussion im Publikum, inwieweit man Himmler überhaupt als literarische Figur auftreten lassen dürfe. „Ich glaube die Leute haben die Autorenmeinung mit der Figurenrede verwechselt“, stellte der Autor fest. Deshalb betonte er noch einmal explizit, dass die Schilderung Himmlers rein fiktional ist und nichts mit seiner Meinung zu tun habe. „Die Leser sollen versuchen, die damalige Zeit mit den Augen Anwars zu sehen.“

Die nächste Lesung übernimmt in zwei Wochen Gregor Sander, der seinen Roman Winterfisch präsentiert. Wünschenswert, dass dieses Mal mehr Zuschauer den Weg ins Literaturhaus finden, als bei seiner letzten Lesung im März 2011.