Improvisation war das oberste Gebot des gestrigen FreitagNachtFoyer des Volkstheaters. In insgesamt fünf Spielen improvisierten sich die Volkstheaterschauspieler Jörg Schulze, Michael Ruchter, Caroline Erdmann und Laura Bleimund durch die Nacht.
Bevor es jedoch losgehen konnte, begrüßte Laura Bleimund zunächst die Zuschauer, die wieder zahlreich erschienen waren. Bei der Generalprobe von Effi Briest im Großen Haus war ihr bewusst geworden, wie wichtig die Beziehung von Schauspielern und Publikum sei. Bei ihren Ausführungen zur Schließung des Theaters und ihrer Meinung dazu, verzettelte sie sich ein wenig, bekam am Ende dann aber doch die Kurve und erklärte, wie wichtig die Reaktion des Publikums für die Schauspieler sei.
Deswegen müsse auch ordentlich applaudiert werden. Damit das nicht schief gehen konnte, führte sie einen Lachknopf ein. Immer wenn sich einer der Vier am Ohrläppchen zupfte, war dies das Zeichen für die Zuschauer, frenetisch zu applaudieren. Wenn sie sich dann an den Knöchel fassten, durfte wieder aufgehört werden. Als das geklärt war, konnten die Spiele beginnen.

„Markus stand am Deich“, startete Michael Ruchter die erste Runde. Durch ein Klatschen von Laura Bleimund wurde der Wechsel des Erzählers angezeigt. Wer der Nächste sein sollte, entschied sie willkürlich durch einen Fingerzeig.

Nachdem die Schauspieler zeitweise weder „und“ noch „aber“ sagen durften, ohne vom Publikum mit „Uhhhhhhhhhh“-Rufen gestraft zu werden, fand die Geschichte ihr Ende. Markus hatte es nach etlichen Schwierigkeiten doch endlich geschafft, auf den Turm zu klettern und dort taten die beiden das, was keiner aussprechen wollte. „So juckten sie sich bis an ihr Lebensende“, schloss Caroline Erdmann die Geschichte ab.
In Spiel Nummer zwei ging es dann weiter mit dem „Genremix“. Laura Bleimund, Jörg Schulze und Michael Ruchter spielten zuerst eine Szene aus „Die fetten Jahre sind vorbei“ nach, um diese dann spontan in verschiedenen Genres neu zu interpretieren. Das Publikum entschied sich zunächst für die Musicalfassung und so tanzten und trällerten die Drei über die Bühne.
Im nächsten Versuch wurde die Streitigkeit zwischen Michael Ruchter und Jörg Schulze ganz science-fiction-like mit Laserschwertern geschlichtet und die Konversation verlief auch etwas anders als sonst. Während Laura Bleimund nur Piepgeräusche von sich gab, redete Michael Ruchter in alter Yoda-Manier.

So spielte zum Beispiel Michael Ruchter alleine den schwulen Pierre, Caroline Erdmann präsentierte all ihre Wehwehchen und Laura Bleimund erklärte irgendein Phänomen, das mit Wasser zu tun hatte. Wenn alle drei zusammen aufstanden, befanden sie sich ganz plötzlich auf einem Casting für ein Musical.

Den Anfang machte Laura Bleimund, die mit geschlossenen Augen reingeführt wurde und dann mit dem Rücken zu den fünf Gegenständen stand. So fing sie an, nach und nach ein rosa Plüschtelefon, einen Plastikpantoffel, eine Klobürste, einen Engelshaarreifen und ein Holzschwert aufzuheben und dazu die Geschichte vom „Frühlingsputz im Puff“ zu erzählen.


Das Publikum wischte sich echte, nicht improvisierte Lachtränen aus den Augen und applaudierte bereitwillig, wann immer der Lachknopf von einem der Schauspieler betätigt wurde. Das FreitagNachtFoyer war also wieder ein voller Erfolg. Und auch das nächste, das am 29. April um 22 Uhr im Theaters im Stadthafen stattfinden wird, verspricht Großes. Dort wird dann unter dem Motto „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da! - Der heitere Liederabend“ lustig musiziert werden.