FreitagNachtFoyer im Theater im Stadthafen
„Spiel-Satz-Sieg“ – Die Impro-Show vom Volkstheater Rostock
26. März 2011, von LuisaImprovisation war das oberste Gebot des gestrigen FreitagNachtFoyer des Volkstheaters. In insgesamt fünf Spielen improvisierten sich die Volkstheaterschauspieler Jörg Schulze, Michael Ruchter, Caroline Erdmann und Laura Bleimund durch die Nacht.
Bevor es jedoch losgehen konnte, begrüßte Laura Bleimund zunächst die Zuschauer, die wieder zahlreich erschienen waren. Bei der Generalprobe von Effi Briest im Großen Haus war ihr bewusst geworden, wie wichtig die Beziehung von Schauspielern und Publikum sei. Bei ihren Ausführungen zur Schließung des Theaters und ihrer Meinung dazu, verzettelte sie sich ein wenig, bekam am Ende dann aber doch die Kurve und erklärte, wie wichtig die Reaktion des Publikums für die Schauspieler sei.
Deswegen müsse auch ordentlich applaudiert werden. Damit das nicht schief gehen konnte, führte sie einen Lachknopf ein. Immer wenn sich einer der Vier am Ohrläppchen zupfte, war dies das Zeichen für die Zuschauer, frenetisch zu applaudieren. Wenn sie sich dann an den Knöchel fassten, durfte wieder aufgehört werden. Als das geklärt war, konnten die Spiele beginnen.

In Spiel Nummer eins ging es darum, eine Geschichte zu erzählen, deren Überschrift das Publikum ausgesucht hatte. Der Clou an der Sache: Jeder der drei auf der Bühne stehenden Schauspieler musste einen Teil zu der Geschichte beitragen, ohne zu wissen, wo die ganze Sache hinführen würde. So hangelten sich Michael Ruchter, Jörg Schulze und Caroline Erdmann zum Thema „Syphilis in Nordfriesland“ durch eine aberwitzige Erzählung.
„Markus stand am Deich“, startete Michael Ruchter die erste Runde. Durch ein Klatschen von Laura Bleimund wurde der Wechsel des Erzählers angezeigt. Wer der Nächste sein sollte, entschied sie willkürlich durch einen Fingerzeig.

So entsponnen sie die Geschichte rund um Markus, den 14-jährigen Jungen, der an der Grenze zum Mann werden steht, der sich auf den Weg zur Gräfin Orsina begibt. Diese lebt in einem, laut Jörg Schulze, 200 Meter hohen, gestreiften Leuchtturm. Als die Gräfin eines Tages wieder auf der Spitze ihres Turmes sitzt, sieht sie Markus, wie er mit heruntergelassener Hose ihren Turm anstarrt.
Nachdem die Schauspieler zeitweise weder „und“ noch „aber“ sagen durften, ohne vom Publikum mit „Uhhhhhhhhhh“-Rufen gestraft zu werden, fand die Geschichte ihr Ende. Markus hatte es nach etlichen Schwierigkeiten doch endlich geschafft, auf den Turm zu klettern und dort taten die beiden das, was keiner aussprechen wollte. „So juckten sie sich bis an ihr Lebensende“, schloss Caroline Erdmann die Geschichte ab.

In Spiel Nummer zwei ging es dann weiter mit dem „Genremix“. Laura Bleimund, Jörg Schulze und Michael Ruchter spielten zuerst eine Szene aus „Die fetten Jahre sind vorbei“ nach, um diese dann spontan in verschiedenen Genres neu zu interpretieren. Das Publikum entschied sich zunächst für die Musicalfassung und so tanzten und trällerten die Drei über die Bühne.
Im nächsten Versuch wurde die Streitigkeit zwischen Michael Ruchter und Jörg Schulze ganz science-fiction-like mit Laserschwertern geschlichtet und die Konversation verlief auch etwas anders als sonst. Während Laura Bleimund nur Piepgeräusche von sich gab, redete Michael Ruchter in alter Yoda-Manier.

Bei „Toaster“, dem dritten Spiel, ging es weiter mit dem Geschichtenerzählen. Diesmal durfte Jörg Schulze eine kleine Pause machen und beschränkte sich auf das Klatschen. Denn wie bereits im ersten Spiel bedeutete dieses wieder einen Wechsel auf der Bühne. Die drei Anderen standen völlig willkürlich einzeln oder in Gruppen auf und spielten eine Geschichte. Wenn dieselben Personen ein weiteres Mal zusammen aufstanden, mussten sie die begonnene Szene weiter spinnen.
So spielte zum Beispiel Michael Ruchter alleine den schwulen Pierre, Caroline Erdmann präsentierte all ihre Wehwehchen und Laura Bleimund erklärte irgendein Phänomen, das mit Wasser zu tun hatte. Wenn alle drei zusammen aufstanden, befanden sie sich ganz plötzlich auf einem Casting für ein Musical.

Mit den Geschichten war es auch in Spiel Nummer vier noch nicht vorbei. Während einer der Schauspieler nach draußen gehen musste, suchte das Publikum fünf Gegenstände aus, die dann auf der Bühne platziert wurden. Nach eingehender Betrachtung der bereitgelegten Utensilien wurde dann ein Titel für die Gegenstandsgeschichte erdacht.
Den Anfang machte Laura Bleimund, die mit geschlossenen Augen reingeführt wurde und dann mit dem Rücken zu den fünf Gegenständen stand. So fing sie an, nach und nach ein rosa Plüschtelefon, einen Plastikpantoffel, eine Klobürste, einen Engelshaarreifen und ein Holzschwert aufzuheben und dazu die Geschichte vom „Frühlingsputz im Puff“ zu erzählen.

Jörg Schulzes Geschichte handelte von einer durch Bionade beschwipsten Großmutter, die angeblich ihren Daumen durch den Biss eines Nussknackers verloren hatte. Das verbunden mit einer fehlenden Brille, einer Taschenlampe und einem weißen Regenschirm, entführte die Zuschauer auf einen „Kindergartenausflug“ der anderen Art.

Den Abschluss des Abends machte ein Spiel namens „Freeze“, bei dem immer zwei Personen auf der Bühne standen und durch ein Klatschen in ihrer Szene einfroren. Der Klatscher musste dann einen der beiden Eingefrorenen austauschen und in derselben Position eine neue Szene spielen. So kam es, dass aus zwei sich lausenden Affen verzweifelte Wanderer wurden, die die Kopfhaut nach Nahrung absuchten. Aus den Wanderern wurde dann ein Kopfhautkonzert, auf das ein etwas umständliches Kopfkratzen folgte. Die letzte kopflastige Szene, die sich daraus ergab, war das Haareziehen bei einer Prügelei.
Das Publikum wischte sich echte, nicht improvisierte Lachtränen aus den Augen und applaudierte bereitwillig, wann immer der Lachknopf von einem der Schauspieler betätigt wurde. Das FreitagNachtFoyer war also wieder ein voller Erfolg. Und auch das nächste, das am 29. April um 22 Uhr im Theaters im Stadthafen stattfinden wird, verspricht Großes. Dort wird dann unter dem Motto „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da! – Der heitere Liederabend“ lustig musiziert werden.