Glühwein, Backbanane und Bratapfel - wer mag bei diesen sommerlichen Temperaturen schon an den Weihnachtsmarkt denken?
Die Schausteller unseres Landes tun es und sie plagen Ängste, Existenzängste. Grund ist der mögliche Theaterneubau am Standort Bussebart/Fischerbastion. Für die Schausteller ist dieser Teil des Weihnachtsmarktes unverzichtbar.
„Bis zu 50 Prozent unseres Jahreseinkommens beziehen wir aus dem Rostocker Weihnachtsmarkt“, stellt Norma Urbigkeit, stellvertretende Vorsitzende des Schaustellerverbandes Mecklenburg-Vorpommern (SVMV), fest. Die Fahrgeschäfte an der Fischerbastion seien nicht nur Magnet für viele Besucher, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal unter den norddeutschen Weihnachtsmärkten.

„Für uns bedeutet das, dass wir den Betrieb ohne den Weihnachtsmarkt in dieser Form nicht aufrechterhalten können“, pflichtet Schausteller Igor Upleger ihr bei. Auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt betreibt er die Bayern Wippe und einen Autoskooter. Aufgrund von Baumaßnahmen muss er in diesem Jahr wohl schon am Kröpeliner Tor weichen. Ohne den Standort an der Fischerbastion würde die Anbindung an den Weihnachtsmarkt fehlen und die Attraktivität des Rostocker Weihnachtsmarktes leiden, ist sich Upleger sicher.

Aber auch das, so Ritter, was sich ganz ohne Subventionen selber finanziert und was vom kleinen Mann angenommen wird, ist Kultur. „Wir haben auch in Rostock jedes Jahr die Abstimmung mit den Füßen. Eineinhalb bis zwei Millionen Menschen sind auf diesem Fest“, spielt Ritter indirekt auf die Besucherzahlen des Theaters an.
Nach einer Studie aus dem Jahr 2007 liegt die Wertschöpfung des Weihnachtsmarktes für die Teilnehmer und die Innenstadt bei insgesamt etwa 13,5 Millionen Euro. Neben der Hanse Sail sei es nicht nur für die Hotellerie der zweite Höhepunkt des Jahres. Auch aus Werbe- und Städteförderungssicht dürfte ein Volksfest mit 1,5 Millionen Gästen unbezahlbar sein.
„Theater ja, aber bitte dort, wo es diese traditionelle Fläche Weihnachtsmarkt nicht beschädigt“, zieht Ritter sein Fazit. Dass ein Stück Kulturgut ein anderes vernichtet, dürfe nicht zugelassen werden.

„Erhaltet uns diese Fläche für den Weihnachtsmarkt, damit er das bleibt, was er bisher war – der größte im Norden“, lautet ihr Appell an die Kommunalpolitiker.
Der Rosengarten zu klein, der Christinenhafen zu abgelegen und die Flächen an der Fischerbastion werden für den Weihnachtsmarkt benötigt – es dürfte schwierig werden mit der Standortsuche für den Theaterneubau.
Wobei es nach wie vor an jeglichen Konzepten fehlt, sowohl was die inhaltliche Ausrichtung des Ensembles betrifft als auch die Kosten für einen Neubau. Der Finanzausschuss mochte sich daher gestern auf keinen der drei Standorte festlegen und strich den Punkt von der Tagesordnung. „Wenn wir so arbeiten würden, würde es uns gar nicht mehr geben“, stellte Upleger mit Blick auf die Vorliebe der Politiker fest, ohne Zahlen und Konzepte über Standorte zu diskutieren.

Was die Standortsuche betrifft, wurde heute unter der Hand noch ein ganz anderer Platz heiß gehandelt – südöstlich des Steintors, wo das Stadttheater bis zur Zerstörung 1942 sein Zuhause hatte. Vielleicht möchte die Ostseezeitung ihrer Aktion „Ein Stein für unser Volkstheater“ tatsächlich Taten folgen lassen und nicht nur die Steine des dort stehenden Verlagsgebäudes spenden, sondern das Grundstück gleich dazu – ein breiter Konsens in der Bevölkerung wäre wohl garantiert.