Ab Ende Oktober wird am Strand von Warnemünde ein etwa eineinhalb Meter hoher und 150 Meter langer Sandwall aufgeschoben. Es handelt sich hierbei um eine Forschungsdüne. Die Universität Rostock möchte damit verschiedenen Fragen zum Thema Dünendurchbrüche nachgehen und so die Bemessungsansätze für die Küstenschutzdünen verbessern und ergänzen.
„Der große Vorteil am Standort Warnemünde ist“, so Geotechniker Stefan Cantré, „dass wir ein Forschungslabor direkt vor unserer Haustür haben: ein Meer ohne Tide, sodass das Forschungsbauwerk nicht jeden Tag einmal weg ist. Das gibt es anderswo auf der Welt nicht so häufig.“
Die Forschungsdüne soll gegenüber der Jugendherberge errichtet werden. Der Strand ist hier so breit, dass Spaziergänger den Bereich weiterhin passieren können. Allerdings soll die Düne selbst nicht betreten werden. Informationstafeln sollen über das Projekt Auskunft geben. Während des Messzeitraumes können die Strandaufgänge 24 und 25 nicht benutzt werden. Die Messungen erstrecken sich über die Sturmflutsaison von Oktober bis März in diesem und im nächsten Jahr. Wenn die Forschungsdüne bis Ende März witterungsbedingt nicht von selbst abgetragen worden sein wird, wird sie wieder abgebaut, sodass einer touristischen Nutzung des Strandabschnitts mit Strandkörben nichts im Wege steht, kündigt Stefan Cantré an.

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die Frage, wie eine Bresche in Längsrichtung der Düne ausgebildet wird. „Durch Untersuchungen weiß man ziemlich genau, was passiert, wenn bei einer Sturmflut das Profil abgetragen wird, aber nicht wie groß eine Bresche wird, wenn es eine gibt.“ Bisher stützen sich die Forscher bei dieser Frage hauptsächlich auf Naturbeobachtungen. Denn der Maßstab bei Modellversuchen sei immer noch zu klein und dadurch wissenschaftlich schwer nachvollziehbar.
Bereits im letzten Herbst konnten die Wissenschaftler kurzfristig Erfahrungen mit einer Testforschungsdüne bei Ahrenshoop sammeln. Wie damals wird auch die Warnemünder Forschungsdüne mit Drohnen vermessen.
Die Forschungsdüne ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kooperationsprojektes PADO (Prozesse und Auswirkungen von Dünendurchbrüchen an der deutschen Ostseeküste). Weitere Partner sind die Universität Aachen und das Berliner Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung.