Gut ein Jahr ist es nun schon her, dass sich die Uwe Johnson-Gesellschaft in Rostock gegründet hat. Mit Tagungen, Vor-/Lesungen, Radtouren oder Publikationen hat sie in den letzten zwölf Monaten die Auseinandersetzung mit dem Schriftsteller Uwe Johnson gefördert.
Seither schließen sich immer mehr Fans des preisgekrönten Autors der Gesellschaft an. In den USA, wo Johnson selbst für einige Zeit lebte und dessen Hauptroman „Jahrestage“ teilweise dort spielt; in England, wo der Schriftsteller 1984 starb; aber auch in Kanada, Frankreich, Italien und der Schweiz sind ihre Mitglieder zu Hause. Sogar bis nach Japan reicht mittlerweile die Bekanntheit der Gesellschaft, wo es bereits ein Mitglied und viele weitere Interessenten gibt. Die meisten kommen jedoch aus Deutschland.
Bunt gemischt ist die Zusammensetzung der Gesellschaft. Sowohl Leute, die sich aus beruflichen Gründen mit Literatur beschäftigen, als auch klassische Literaturliebhaber sind darin zu finden. Erstaunlich viele junge Leute gebe es in der Gesellschaft, informiert Professor Dr. Holger Helbig. Er ist einer der beiden Vorsitzenden der Gesellschaft und Inhaber der Johnson-Professur an der Universität Rostock. Das hänge zum einen damit zusammen, dass von der Gründung an ein hoher Anteil an Studenten dabei war und zum anderen, dass „wir gleich versucht haben, Programm für junge Leute zu machen und an Schulen zu gehen“, erklärt Holger Helbig. Die Frage, weshalb junge Leute den Autor interessant finden könnten, spielte hierbei eine zentrale Rolle.


Eine ganz wichtige Schrift ist für ihn der zehnseitige „Versuch eine Mentalität zu erklären“. „Dort beschreibt er, wie DDR-Bürger, die in den Westen gegangen sind, sich verhalten und wie deren Verhalten zu beschreiben ist. Das ist auch heute noch von höchster Aktualität“, betont Erwin Kischel.
„Ich halte es für enorm wichtig, nicht nur Johnson als Literat wahrzunehmen, sondern auch als Helfer bei der Verarbeitung der eigenen Geschichte meiner Generation“, fasst er die Bedeutung des Schriftstellers zusammen. Deshalb findet der Rentner aus Satow es wichtig, Uwe Johnson bekannter zu machen. Nicht nur im eigenen Bekanntenkreis, sondern auch darüber hinaus, möchte er sich dafür einsetzen.
Da er dieses Ziel mit der Uwe Johnson-Gesellschaft teilt und hier weitere Anregungen für die Beschäftigung mit dem Autor erhält, hat er sich dazu entschlossen, ebenfalls Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Mit Dr. Erwin Kischel konnte die Gesellschaft Anfang März nun ihr 100. Mitglied in ihren Reihen begrüßen. Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der noch jungen Gesellschaft.