„Es ist ein Skandal, dass dieses Theater derartig auf eine Scholle gesetzt wird und jeder guckt zu, wo es hintreibt!“ Cornelia Crombholz hatte sich ihren Antritt als Schauspieldirektorin am Rostocker Volkstheater sicher anders vorgestellt. Gestern stellte sie ihren ersten Spielplan vor. Allerdings war es nicht ihr erster Entwurf. Obwohl vieles schon vor Monaten angedacht war, musste sie ihn mehrmals über Bord werfen.
Zuletzt, nachdem vor gut einem Monat der Wirtschaftsplan für dieses Jahr bestätigt wurde. „Diese Bestätigung erlaubt es uns nur, bis Ende 2013 zu handeln. Das Konzept eines Spielplans zieht sich jedoch über zwei Wirtschaftsjahre hin. Ein tragfähiger Entwurf für einen Wirtschaftsplan für 2014 existiert nicht“, erklärt Peter Leonard, der als Intendant des Rostocker Volkstheaters seine letzte Spielzeit leiten wird.

Wie andere Abteilungen auch hat der Generalmusikdirektor mit großen Planungsherausforderungen zu kämpfen. „Eine Planung für ein A-Orchester, mit einem Niveau, wie es Rostock seit Jahrzehnten genießt, ist eigentlich nur seriös mit einem Vorlauf von mindestens einem Jahr zu machen“, erläutert Peter Leonard. Bei internationalen Agenturen beträgt die Zeit in der Regel zwei bis fünf Jahre. „Es gibt tolle Leute, die gern in Rostock arbeiten würden. Aber wenn ich ein halbes Jahr vorher anrufe, haben die einfach keine Termine“, veranschaulicht Krumpöck das Rostocker Planungsdilemma.

Auch im Schauspiel seien die Pläne für ein ganzes Jahr behindert, denn die Engagements für die Zeit von August 2013 bis Juli 2014 hätten schon längst passieren müssen. „Die Guten sind zum Teil schon weg. Wie soll man eine Spielzeit planen, wenn man diese Mittel nicht in der Hand hat?“ fragt der Intendant.

Etwas mehr als eine Million Euro benötigt das Rostocker Volkstheater für seinen Gästeetat. 500.000 Euro fehlen jedoch.

Die Schauspieldirektorin macht deutlich: „Wenn der Gästeetat gestrichen wird, wird ab dem 1. Januar 2014 nicht eine Schauspielpremiere stattfinden.“ Denn dazu müsste sie Regisseure einladen, die die Stücke mit dem Hausensemble erarbeiten. Vor allem moderne Stücke aus der angelsächsischen Literatur hat sie auf den Spielplan des ersten Halbjahres gesetzt. Mit „Tour de Farce“ und einer Theaterversion von Stephen Kings „Misery“ will sie schon im „Warnemünder Sommer“ die Kleine Komödie in Warnemünde bespielen - für die Touristen und um die Leute auf das Volkstheater neurgierig zu machen. Mit dem Sommerspektakel „Theaterfreunde zu Gast bei uns am Meer“ möchte sie Schauspieler und Musiker von Theatern in Deutschland einladen, „um Rostock auch wieder an das Bühnengeschehen deutschlandweit anzuschließen“. „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, „Harold & Maude“, für die Kinder zur Weihnachtszeit „Väterchen Frost“ und ein wanderndes Kochtheaterstück sollen ebenfalls premieren. Neu sind auch der „Küstenfunk“, das neue Nachtprogramm im Theater im Stadthafen (TiS), und die Krimireihe „Tatort Rostock“.

Denn die Bühne im Theater im Stadthafen steht bereits auf der Einsparliste, wie auch das Tanztheater, nachdem die Theaterleitung von der Stadtverwaltung aufgefordert wurde, ein Konzept für die Einsparung der 500.000 Euro zu entwickeln. „Das Gießkannenverfahren funktioniert nicht mehr. Damit wir überhaupt noch strukturiert arbeiten können, war uns schnell deutlich, dass wir zu einer systematischen Abschneidung von Gliedern kommen müssen, um den Rest des Körpers zu schonen“, sagt Stephan Rosinski, der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters. Aus der Verwaltung habe man nun mitgeteilt, dass man es nicht als opportun ansehe, Sparten oder Standorte zu schließen, mehr Geld wolle man dennoch nicht geben.

Dennoch hat der Intendant auch gute Nachrichten zu vermelden. Seit gestern verkauft das Volkstheater schon mehr Karten für die laufende Spielzeit als in der gesamten Spielzeit zuvor, in der das Große Haus durch ein Zelt ersetzt wurde. Peter Leonard wertet dies als Zeichen, „dass unser Publikum uns treu ist und unsere Leistung anerkannt wird.“
Und auch für das zweite Halbjahr im Frühjahr 2014 haben die Programmverantwortlichen der einzelnen Sparten schon vieles geplant. Denn trotz allem: „Wir leben!“ – so heißt das Motto der Spielzeit 2013/14 am Rostocker Volkstheater.