„Bücher gehören zu den Sachen, die lange tot geglaubt wurden, genauso wie Schallplatten“, stellte Jan-Dirk Zimmermann, Schulleiter des CJD Rostock, fest, als er den Stadtentscheid des Vorlesewettbewerbs in der neuen Bibliothek der Schule eröffnete. Dass dies aber nicht zutreffe, zeige die Anwesenheit der Schüler, die sich am Wettbewerb beteiligten, so Zimmermann weiter. Damit hatte er im Prinzip auch schon den Gedanken hinter dem Ganzen auf den Punkt gebracht. Denn die Idee des Vorlesewettbewerbes ist es, Schüler zum Lesen zu motivieren.
Die neun Schüler, die sich mit ihren Büchern in der Bibliothek eingefunden hatten, waren zuvor beim Klassen- und Schulentscheid ihrer Schulen angetreten. Dort hatten sie sich gegen ihre Mitschüler durchgesetzt. „Denkt dran, ihr seid alle schon Schulsieger, es gibt heute also keine Verlierer“, erinnerte Ingelore Runge, die Schulbibliothekarin, die Kinder noch einmal. Schließlich sollte es nicht hauptsächlich um den Wettbewerb gehen, sondern um das Lesen.

Bevor die Kinder anfangen konnten zu lesen, musste erst einmal eine Reihenfolge ausgelost werden. So konnte sich keiner vorsätzlich benachteiligt fühlen. Außerdem wurden die Namen der Schulen, von denen die Vorleser kamen, nicht erwähnt, um die Unvoreingenommenheit der Jury zu gewährleisten.

Eine Buchauswahl fiel dabei besonders ins Auge. Während alle anderen ein Kinderbuch ausgewählt hatten, las Eva aus dem Buch „Schönhauser Allee“ von Wladimir Kaminer vor. „Ich fand das Buch einfach so gut“, sagt sie. Besonders durch den Titel war sie darauf aufmerksam geworden: „Ich habe früher zwei Straßen weiter gewohnt." Auch sonst liest sie viel, erzählt sie. „Meine Mutter liest die Bücher vorher und fragt mich, ob ich sie nicht auch lesen will.“

Neben Jule und Ingrid Werz saßen außerdem noch Andrea Krause (Mitarbeiterin der Stadtbibliothek), Rico Brandt (Deutschlehrer) und Hans-Ulrich Mordhorst (Leiter der Evangelischen Buchhandlung hier in Rostock) in der Jury. Sie vergaben ihre Punkte nach Textgestaltung und Lesetechnik. In der ersten Runde ging es außerdem um das Textverständnis. Also zum Beispiel darum, ob die Schüler eine gute Textstelle ausgesucht hatten. Fünf Punkte waren dabei die beste Bewertung. Am Ende wurden alle Wertungen der Jurymitglieder zusammengetragen und addiert.
Die höchste Punktzahl erreichte dabei Helene, die genau wie ihre Vorgängerin Jule, auch Schülerin des CJD Rostock ist. Sie wird im Mai zum Landesentscheid in Schwerin fahren. Sollte sie auch dort gewinnen, geht es im Juni weiter nach Frankfurt zum Bundesentscheid. Auf jeden Fall bekam sie zusätzlich zu dem Buch, das alle Teilnehmer bekamen noch ein zweites Buch als Preis.
Das Buch scheint also nicht tot zu sein. So können wir wohl auch im nächsten Jahr wieder gespannt sein, welche Bücher die Schüler der zukünftigen sechsten Klasse so sehr faszinieren, dass sie daraus vorlesen wollen.