Sturm, Regen und Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt. „Wir haben diese Woche leider nicht das beste Sandweltwetter erwischt“, sagt Othmar Schiffer-Belz, künstlerischer Leiter der Warnemünder Sandwelt. In den warmen Jacken der Eiswelt trotzen die vier internationalen Künstler seit vergangenem Freitag dem Wetter und gestalten an Karls Pier 7 in Warnemünde ihre Kunstwerke aus Sand.
Mit Schaufel, Spatel, Pinsel und speziellem Sand
Die bis zu sechs Meter breiten und dreieinhalb Meter hohen Skulpturen bestehen aus speziellem Sand, der extra aus einer Grube im brandenburgischen Niederlehme kommt. Anders als die rundgeschliffenen Sandkörner am Ostseestrand hat er eine eckige Kornstruktur, erklärt Schiffer-Belz. Wird er angefeuchtet und zusammengedrückt, verzahnen sich die Sandkörnchen.
Etwa 300 Tonnen werden für die Warnemünder Sandwelt insgesamt benötigt. Der größte Teil wurde aus den Skulpturen des Vorjahrs wiederverwendet, eine neue Fuhre Material kam hinzu. Bevor die Künstler Hand anlegen konnten, wurde der Sand mit einem massiven Holzgestell etagenweise eingeschalt und wie im Straßenbau verdichtet. So entstanden die stabilen, pyramidenförmigen Rohlinge, aus denen die Bildhauer ihre Figuren herausarbeiten. Für die groben Strukturen greifen sie zur Schaufel, feine Details arbeiten sie mit Spachtel, Pinsel und Pusterohr heraus.

Gestaltet wird die 12. Warnemünder Sandwelt von vier internationalen Künstlern, die umfangreiche Erfahrungen im Modellieren von Sand- und Eisskulpturen haben. Der litauische Bildhauer Andrius Petkus, Rekordhalter für die größte Eisskulptur in Vilnius, hat sich in diesem Jahr vom Märchen „Der Froschkönig“ der Brüder Grimm inspirieren lassen. Um schneller zu seinem erlösenden Kuss zu kommen, hat sich sein Froschkönig einen Trick einfallen lassen: Er versteckt sich in einem Glas voller Trinkhalme und wartet darauf, dass ihn jemand beim Trinken versehentlich küsst.
Nebenan gestaltet die niederländische Künstlerin Susanne Ruseler das Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen.

Der russische Künstler Dmitry Klimenko konnte in diesem Jahr nicht nach Warnemünde reisen, seine Poseidon-Sandskulptur aus dem Vorjahr bleibt stehen.
Sandskulpturenausstellung bis zum 30. Oktober 2022 geöffnet
Noch bis Sonntagabend kann den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut werden. Anschließend bleibt die Open-Air-Ausstellung bis zum 30. Oktober 2022 geöffnet, der Eintritt ist frei.