Baustart für das Darwineum im Zoo Rostock
Weniger Laufstrecke für Sportler im Barnstorfer Wald
3. Dezember 2010, von Stefanie
Laufen für die Affen? Seit gestern ist ein 200 Meter langer Weg im Barnstorfer Wald gesperrt. Zukünftig wird er Läufern nicht mehr zur Verfügung stehen. Denn hier wird gebaut.
Auf dem Gelände entsteht das Darwineum, eine Erweiterung des Rostocker Zoos, in dem die Menschenaffen artgerecht untergebracht werden sollen. Eingebettet ist ihre neue Unterkunft in eine zoologische und museale Ausstellung, die die Evolution unserer Erde nach der Theorie des britischen Naturwissenschaftlers Charles Darwin erlebbar machen soll.

Gestern nahm Zoodirektor Udo Nagel zum Stand der aktuellen Baumaßnahmen Stellung. Anlass war die in den Medien laut gewordene Kritik Rostocker Laufsportler, die dem Zoo Gigantismus und Zerstörung von Erholungsgebieten vorgeworfen hatten.
Es geht um eine Fläche westlich des Rostocker Zoos, auf dem sich bisher das eingezäunte Lagergelände des Zoos befand sowie um ein Waldgebiet, durch das rund 3.200 Meter Laufstrecke führen. Mit Beginn der Baumaßnahmen wurde das Areal, auf dem sich zukünftig das Darwineum befinden soll, eingezäunt. Dadurch verschwanden 200 Meter Hauptweg und 200 Meter einer Nebenstrecke.

Insgesamt ist das Gelände etwa 20.000 qm (2 ha) groß. Davon werden etwa 9.000 qm auf dem ehemaligen Lagergelände bebaut. Der Rest gehört zum Außengelände der Affenanlagen. Dafür sollen nur wenige Bäume herausgenommen werden. „Uns liegen die Orangs und Gorillas so am Herzen. Wir müssen etwas tun. Wir haben keine andere Lösung. Deshalb nehmen wir hier unser Recht in Anspruch“, erklärte Udo Nagel.
Der Zoo hat nämlich seit 1994 ein Erbbaurecht für dieses Gebiet. Da es der Zoo bislang nicht benötigte, hat er auf eine komplette Einzäunung verzichtet und es so für andere Nutzer offen gelassen. Im Zuge der Neugestaltung wird es eine andere Wegführung geben. „Die Zäune werden so gesetzt, dass man daran entlang laufen kann“, kündigt der Zoodirektor an.
Überlegungen zu anderen Standorten seien bei der Planung aus organisatorischen und hygienischen Gründen verworfen worden, da man den Zoo als Einheit erhalten möchte. Lösungen, die eine Brücke oder einen Tunnel vorsehen, seien zu teuer.

Alles in allem belaufen sich die Ausgaben für das gesamte Darwineum-Projekt auf 26,8 Millionen Euro. „Es finanziert nicht die Hansestadt Rostock, sondern das Land Mecklenburg-Vorpommern mit Mitteln der Europäischen Union. Der Zoologische Garten Rostock beteiligt sich mit 4 Millionen, worin auch ein Spendenbetrag von einer Millionen Euro enthalten ist“, so Udo Nagel.
Die Stadt unterstützt den Zoo in diesem und im nächsten Jahr mit zusätzlichen 470 000 Euro für Begleitmaßnahmen, die nicht in dem Förderprojekt enthalten sind. Damit werden die Verlängerung des Zaunes, Futter, Energie und Personal bezahlt.

Seit gestern wird der Mutterboden auf dem Gelände des ehemaligen Lagers abgetragen, um es für den Rohbau, der im März beginnen soll, vorzubereiten. Für den Herbst 2011 ist das Richtfest geplant. Im Frühjahr 2012 soll das Darwineum dann eröffnet werden. Es soll zu einer überregionalen touristischen Attraktion mit Bildungsanspruch werden. Das Darwineum sei in der Form einmalig, so der Zoodirektor.
Udo Nagel signalisierte in dem Gespräch mehrmals Diskussionbereitschaft, um die bestehenden Konflikte zu lösen und nach Kompromissen zu suchen. Für die nächsten Wochen ist dazu ein Termin mit Rostocker Sportvereinen geplant.
Bild 4: Zoo Rostock