
Ihre Studioproduktion „Der Meister und Margarita“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des sowjetischen Autors Michail Bulgakow. Dieser besteht aus drei Handlungssträngen, die durch bestimmte Verknüpfungspunkte schlussendlich einen inneren Zusammenhang bekommen.

Eine zweite Ebene entführt den Zuschauer ins Moskau der 30er Jahre. Neben all den dekadenten und korrupten Bewohnern (Anne Riekhof, David Nádvornik, Marvin Rehbock, Christian Baumbach) residiert zu dieser Zeit außerdem der Teufel, genannt Woland (Heisam Abbas), höchstpersönlich in der Stadt. Er und seine drei Schergen Korowjew (Anne-Elise Minetti), Behemot (Sara Klapp) und Asasello (Lydia Wilke) treiben dort ihr Unwesen und verbreiten mit ihrer Schwarzen Magie allerhand Chaos.

Das wirklich Beeindruckende an der Inszenierung ist, wie wenige Utensilien die zehn Jungschauspieler benötigten, um die Handlungen voneinander abzugrenzen und dann wieder miteinander zu verknüpfen. Auch wenn es am Anfang schwerfiel herauszufinden, was die einzelnen Szenen miteinander zu tun hatten, wusste man doch immer, wer zu welcher Handlungsebene gehörte. Denn auch wenn sich neben vier Mikrofonen nichts weiter auf der Bühne befand, waren die Kostüme aussagekräftig genug.
So trug der Meister zum Beispiel immer eine Mütze, auf der ein gelbes „M“ prangte. Der Teufel hüllte sich in feine Hosen, Hemd und Weste und auch seine drei Schergen waren mit ihren roten und schwarzen Outfits gut zu erkennen. Bei der Zeitreise in die Antike durften Lakentoga und Besenbürste auf dem römischen Helm natürlich nicht fehlen.
Spätestens die Szenen in der Irrenanstalt verknüpfen dann die durch Kostüme und Handlungen abgespaltenen Stränge. Hier treffen die Bürger der Stadt, nachdem sie vom Teufel mit Schwarzer Magie in den Wahnsinn getrieben worden, auf den Meister, der nach dem Verriss seines Romans freiwillig dort residiert. Dieser ist wiederum mit dem Teufel verbunden, der behauptet Pontius Pilatus, eben die Hauptfigur, höchstpersönlich gekannt zu haben. So entsteht also ein Spinnennetz, durch das alle Figuren letztendlich doch in Zusammenhang stehen, auch wenn dies zunächst nicht den Eindruck macht.

„Es war manchmal etwas kompliziert“, fand Mara Liebscher. „Da musste man dann drüber nachdenken, aber an sich konnte man gut folgen!“ Wer also einen Abend verbringen möchte, ohne seinen Kopf einzuschalten, der sei gewarnt. Ganz ohne Nachdenken erschließt sich das Stück von Regisseur Jens Poth und den zehn HMTlern dem Zuschauer nämlich nicht.
Wem das allerdings nichts ausmacht, der sollte unbedingt am 16. oder 17. Juni in den Katharinensaal der HMT kommen und sich nach Moskau entführen lassen. Am Ende wird die Zeile: „Moskau, Moskau, deine Seele ist so groß, nachts ist der Teufel los, ha ha ha ha ha, hey“, aus dem Klassiker von Dschingis Khan nicht mehr nur ausgelassene Partystimmung symbolisieren.