
Zunächst war es jedoch Ziel der 334 Vereinsmitglieder, zu denen Universitätsprofessoren, Ärzte, Juristen, Kaufleute genauso wie Adelige gehörten, schöne Bilder für die eigenen vier Wände zu erwerben. Das aufstrebende Bürgertum wollte damit seine neue Macht repräsentieren. In jener Zeit gab es einen regelrechten Boom an Kunstvereinsgründungen. Der Rostocker Kunstverein wurde in dieser Phase relativ früh gegründet. Er wollte nicht nur den Kunstsinn des Rostocker Bürgertums fördern, sondern auch eine gesellige Vereinigung sein. In den 1860er Jahren zählte der Verein bis zu 600 Mitglieder - in einer Stadt, die weniger als 50.000 Einwohner hatte. „Da war jeder drin, der etwas von sich und der Stadt hielt. Das ist heute ganz anders“, sagt Wolfgang Friedrich, Vorsitzender des neuen Kunstvereins zu Rostock.
Jedes Mitglied musste beim Eintritt Aktien erwerben. Aus diesem Finanzpool wurden Gemälde erworben, die dann unter den Mitgliedern verlost wurden. Diese stellten sie wiederum für Ausstellungen zur Verfügung. Erst später entwickelte sich die Idee, eine Sammlung für Rostock aufzubauen, die in einem öffentlichen Museum präsentiert wurde. 1852 kam erstmals der Gedanke einer Kunsthalle in Rostock auf.
Durch Schenkungen und Legate zahlreicher Bürger wuchs eine beachtliche Sammlung. So vermachte ein Arzt der Stadt seine gesamte Kunstsammlung von 1900 Grafiken, darunter auch eine Rembrandtradierung.
Nachdem die Ausstellungen zunächst in einem Gebäude in der Steinstraße gezeigt wurden, zog das Kunstmuseum 1903 in die oberen beiden Etagen der Societät.
Auch im Museum sollten die Werke etwas hermachen. Waren die Bilder für den Hausgebrauch eher klein, schaffte der Verein für die Öffentlichkeit großformatige Gemälde mit prunkvoll verzierten Goldrahmen an. Weil die Werke großer Meister jedoch auch damals schon so teuer waren, dass es sich der Kunstverein nicht leisten konnte, erwarb er Kopien. Das war damals üblich. Und so hängt auch in der aktuellen Ausstellung ein Rubens gemalt für den Kunstverein von Heinrich Brasch.
Doch auch echte Hochkaräter wie die venezianische Landschaft von Canaletto oder auch der holländische Landschaftsmaler Koekkoek befinden sich in der Sammlung.
Überhaupt liebten die Rostocker die Kunst aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts besonders, wie auch die Dauerausstellung „niederländische Malerei“ im Haus belegt. „Das war auch die Kunst, die aus dem bürgerlichen Repräsentationsbedürfnis entstanden war“, beschreibt die Kuratorin und langjährige Museumsleiterin Dr. Heidrun Lorenzen den Zusammenhang.
Mit ihrer Vorliebe für Landschaftsbilder trugen die Kunstvereine dazu bei, dass sich diese Gattung, die an den Kunstakademien nur eine untergeordnete Rolle spielte, weiterentwickeln konnte.
Neben Rostocker Stadtansichten und regionaler Kunst lag ein besonderes Augenmerk auf Entwicklungen der modernen Kunst. Nachdem der Kunstverein als einer der ersten eine kleine Ausstellung von Brücke-Künstlern zeigen konnte, folgte ein Jahr später eine große Kollektion. „In Rostock hat man gesehen, dass sich etwas Sensationelles mit dieser expressionistischen Strömung anbahnte.“

Doch während der Zeit des Nationalsozialismus wurde dem ein Ende gesetzt. Der Verein wurde gleichgeschaltet und „entartete Kunst“ ausgesondert. 16 Werke wurden nach Berlin gebracht, weitere von den Mitgliedern vor Zugriffen versteckt. Viele gelten seither als verschollen.„Im Grunde wurde damit die moderne Sammlung zerstört“, sagt Heidrun Lorenzen. Trotz Bombenangriffen setzte der Verein seine Ausstellungen und Veranstaltungen, die vom Regime genehmigt werden mussten, fort. Während des Krieges wurden historische Werke gekauft, wie von Tischbein oder Kersting, dessen Arbeit nun zum ersten Mal gezeigt wird. Das letzte Gemälde wurde 1944 von einer Künstlerin aus Ahrenshoop erworben, bevor 1945 alle Vereine aufgelöst wurden. Zu DDR-Zeiten wurden Ausstellungen vom Kulturbund organisiert.

Parallel zur Ausstellung „Kunst und Bürgersinn“ stellt der Kunstverein in seiner Galerie Amberg 13 „50 ausgewählte Grafiken 2012“ anlässlich seines Jubiläums aus.
Die Ausstellung im Kulturhistorischen Museum ist noch bis zum 10. Februar 2013, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen.