Lange Nacht der Wissenschaften 2012
Entdecker, Konstrukteure und Experten öffnen ihre Labore, Hallen und Hörsäle für wissbegierige Nachtschwärmer
27. April 2012, von Stefanie
„Zauberei!“ – „Nein, ich erklär es noch mal …“, antwortete Chemielehrerin Kristina Neumann geduldig dem erstaunten Jungen, der es im Foyer des Instituts für Chemie ordentlich krachen ließ. Zur Langen Nacht der Wissenschaften hatten hier die Chemiedidaktiker der Universität kleine Experimente aufgebaut. „Damit wollen wir für die Chemie begeistern“, begründete ihr Kollege André Reinke. Der Promotionsstudent möchte Vorurteile abbauen: „Alles besteht aus Chemie. Viele verbinden damit negative Chemikalien. Wenn ich jedoch an Chemie denke, sehe ich alles um uns herum, den Boden, den Tisch. Und ich weiß, alles ist aus kleinsten Teilchen aufgebaut, die bestimmte Eigenschaften haben. Kennt man sich damit aus, kann man richtig tolle Sachen machen.“

Wie zum Beispiel Brausetablettenraketen oder sich verfärbende Blüten, für die sich auch Sascha Lülke, Anja Wacker und Marten Schulz interessierten. Während die beiden jungen Medizinischen Fachangestellten rätselten, was es mit der wundersamen Reaktion der weißen Blütenblätter auf den Glasreiniger auf sich hat, kannte die 25-jährige Pharmaziestudentin bereits die Lösung. Aber die Drei, die der Wissensdurst bereits zur Rechtsmedizin und Anatomie in der Innenstadt geführt hatte, haben in der Nacht noch mehr erfahren. „Wie Wasserleichen aussehen, dass ein MRT keine Obduktion ersetzt, dass ich nicht riechen kann“, zählte Marten Schulz lachend auf, bevor sie zur nächsten Vorlesung weiterzogen.

In der Glasbläserei der Universität im Nachbargebäude auf dem Südstadtcampus drängten sich derweil Schaulustige um das Feuer von Roland Weihs. Effektvoll demonstrierte er, wie Spezialanfertigungen aus Glas entstehen, mit denen die Naturwissenschaftler experimentieren. „Bei welchen Temperaturen wird das Gas verarbeitet? Woran erkennt man die richtige Temperatur? Wofür werden die Gläser gebraucht?“, wollten die Zuschauer wissen. Selbstverständlich erhielten sie kompetente Auskunft. Nur die Frage eines neugierigen Jungen, ob in den Gefäßen Süßigkeiten oder Gift aufbewahrt wird, musste der Glasbläser offenlassen.

Etwa 5.500 Nachtschwärmer seien ab 18 Uhr bis in die späten Abendstunden während der Langen Nacht der Wissenschaften unterwegs, schätzt Organisator Robert Uhde.
„Nach vier Stunden ist meine Stimme fast weg“, bemerkte Elektrotechniker Dirk Fricke, als es bereits dunkel geworden war, die Folgen des starken Publikumsinteresses. Er stellte das Forschungsprojekt „Fotometrische Sensorik zur nichtinvasiven Bestimmung von Blut- und Gewebeparametern des Menschen“ den Besuchern seiner Arbeitsstätte vor.

Während der diplomierte Ingenieur damit einen Blick in die Zukunft der medizinischen Diagnostik ermöglichte, schauten die Besucher im Konrad-Zuse-Haus zurück in die Vergangenheit, als die Computertechnologie noch in den Kinderschuhen steckte. Professor Dr. Horst Zuse stellte im Atrium des nach seinem Vater benannten Sitzes des Instituts für Informatik den ersten Computer der Welt anhand eines Nachbaus vor. 1941 hatte Konrad Zuse die Rechenmaschine Z3, die als Prototyp des heutigen modernen Computers gilt, entwickelt.

Die Arbeit der Wissenschaftler ohne Computertechnologie erscheint heute unvorstellbar. Dennoch zeigte Dr. Anke Scheunemann vom Schülerlabor BIOlogisch, wie man mit einfachen Küchenmitteln, wie Salz, Spülmittel, Brennspiritus, Trichter und Kaffeefilter, die DNA einer Banane sichtbar macht. Ein faszinierendes Experiment auch für Anka Siegl, der es gelingt, das winzige Erbmaterial innerhalb von zehn Minuten zu isolieren. Nachdem sie die DNA abgefischt und abgefüllt hatte, ging es für sie weiter durch die Lange Nacht der Wissenschaften.