Planungs- und Gestaltungsbeirat vor seinem ersten Arbeitstag

Holzhalbinsel und Ankerruine stehen auf der ersten Tagesordnung des Beratergremiums

18. September 2012, von
Ein Punkt auf der ersten Tagesordnung: Die Anker-Ruine in der KTV
Ein Punkt auf der ersten Tagesordnung: Die Anker-Ruine in der KTV

„Einer für alle und fünf für Rostock!“ So könnte man den neugegründeten Planungs- und Gestaltungsbeirat beschreiben, der seine Arbeit in der Hansestadt am morgigen Mittwoch aufnimmt. Auf der Tagesordnung steht auch ein Thema, das in den letzten Monaten bereits für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hat: der Umbau der Anker-Ruine in der Doberaner Straße.

Das Vorhaben ist durch die bereits ausgestellte Baugenehmigung schon sehr weit fortgeschritten, sodass morgen keine gänzlich neuen Erkenntnisse ausgetauscht werden. Trotzdem stellt sich der Bauherr Lidl dem unabhängigen Beratergremium, um besonders Fragen der Fassadengestaltung und des Denkmalschutzes zu besprechen.

Der Planungs- und Gestaltungsbeirat bei der Vorstellung im Rathaus
Der Planungs- und Gestaltungsbeirat bei der Vorstellung im Rathaus

Im Normalfall setzt die Arbeit eines Planungs- und Gestaltungsbeirates schon viel früher ein. Bereits in der Planungsphase von Bauvorhaben und Projekten, die stadtbildwirksame Veränderungen bewirken, können die Experten konsultiert werden. Diese tagen vier- bis fünfmal im Jahr, jeweils in einer öffentlichen Sitzung. In diesen werden die einzelnen Vorhaben aus den Bereichen Hoch-, Tief- und Straßenbau, sowie Grünflächengestaltung diskutiert und anschließend wird eine Empfehlung ausgesprochen, was noch verändert werden sollte. Eine Pflicht für den Bauherrn, diese Änderungen auch einzuarbeiten, gibt es aber nicht.

„In Lübeck gab es in den vergangenen neun Jahren nur einmal den Fall, dass ein Planer die Vorschläge des Beirats überhaupt nicht eingearbeitet hat. Dieses Projekt bekam aber einen sehr schlechten öffentlichen Ruf und wurde so zu einem Reinfall“, erzählte Architekt und Stadtplaner Klaus-Heinrich Petersen. Mit seinen 25 Jahren Berufserfahrung ist er einer der fünf Experten, der zukünftig für den Rostocker Planungs- und Gestaltungsbeirat tätig sein wird.

War einer der Hauptauslöser für die Gründung des Beirates: das Parkhaus auf der Holzhalbinsel
War einer der Hauptauslöser für die Gründung des Beirates: das Parkhaus auf der Holzhalbinsel

Neben dem Lübecker ist auch Antje Osterwold aus Weimar dabei. Die Architektin ist in Güstrow aufgewachsen und will daher besonders viel Herzblut in die Arbeit stecken. Weiterhin ist auch Prof. Claus Anderhalten aus Kassel mit im Boot. „Mein Herz schlägt für den historischen Bestand“, gestand der Architekt. Bei einem ersten Gang durch Rostock fand er auch einige Stellen, zum Beispiel im Stadthafen, die seiner Meinung nach noch besser rausgearbeitet werden müssten.

Die zweite Dame im Bunde ist Prof. Dipl.-Ing. Cordula Loidl-Reisch, die momentan an der TU Berlin als Dozentin für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung zuständig ist. „Bei mir wird das Grün eine große Rolle spielen“, sagte die gebürtige Wienerin am Abend im Rathaus. Zu ihren Fachgebieten gehören auch soziale Fragen und die Thematik der Nachhaltigkeit. Komplettiert wird der Beirat von Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling, der an der HafenCity Universität Hamburg Dozent im Bereich Stadtplanung und Regionalentwicklung ist. Gemeinsam wollen die Fünf, die bewusst nicht aus der Region stammen und hier keine Bauprojekte verfolgen, um nicht voreingenommen zu sein, ihre individuellen Qualitäten einbringen, um Rostock architektonisch weiter voranzutreiben.

Der Rostocker Planungs- und Gestaltungsbeirat: Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling, Prof. Claus Anderhalten, Antje Osterwold, Prof. Dipl.-Ing. Cordula Loidl-Reisch und Klaus-Heinrich Petersen
Der Rostocker Planungs- und Gestaltungsbeirat: Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling, Prof. Claus Anderhalten, Antje Osterwold, Prof. Dipl.-Ing. Cordula Loidl-Reisch und Klaus-Heinrich Petersen

Entstanden ist der Planungs- und Gestaltungsbeirat auf der Basis von zwei Entscheidungen der Bürgerschaft, nachdem vor allem durch die Gestaltung des Parkhauses auf der Holzhalbinsel viele kritische Stimmen laut geworden sind. Es entstehen Kosten zwischen 50.000 und 80.000 Euro im Jahr und auch die Bauvorhaben der Stadt können kritisch unter die Lupe genommen werden. So auch auf der morgigen Sitzung, die sich mit dem geänderten Bebauungsplan der Holzhalbinsel beschäftigt. Dort soll, statt des eigentlich geplanten Hotels, nun neuer Wohnraum entstehen.

Eine komplette Tagesordnung kann man auf der Seite des Rathauses finden. Interessierte Bürger und Bürgerinnen sind herzlich eingeladen, an der Sitzung teilzunehmen. Rederecht haben sie allerdings nicht.

Bleibt abzuwarten, ob die weitere Zusammenarbeit weiterhin so konstruktiv und freundlich abläuft, wie die Vorstellungsrunde heute im Rathaus. Auch ist spannend, wie die Bauherren die Vorschläge aufnehmen und dann auch umsetzen. Dann wird sich zeigen, ob der Beirat wirklich etwas verändern kann, oder doch nur wieder nach dem alten Motto „Wenn du mal nicht weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis“ gehandelt wurde.

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