
Das Vorhaben ist durch die bereits ausgestellte Baugenehmigung schon sehr weit fortgeschritten, sodass morgen keine gänzlich neuen Erkenntnisse ausgetauscht werden. Trotzdem stellt sich der Bauherr Lidl dem unabhängigen Beratergremium, um besonders Fragen der Fassadengestaltung und des Denkmalschutzes zu besprechen.

„In Lübeck gab es in den vergangenen neun Jahren nur einmal den Fall, dass ein Planer die Vorschläge des Beirats überhaupt nicht eingearbeitet hat. Dieses Projekt bekam aber einen sehr schlechten öffentlichen Ruf und wurde so zu einem Reinfall“, erzählte Architekt und Stadtplaner Klaus-Heinrich Petersen. Mit seinen 25 Jahren Berufserfahrung ist er einer der fünf Experten, der zukünftig für den Rostocker Planungs- und Gestaltungsbeirat tätig sein wird.

Die zweite Dame im Bunde ist Prof. Dipl.-Ing. Cordula Loidl-Reisch, die momentan an der TU Berlin als Dozentin für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung zuständig ist. „Bei mir wird das Grün eine große Rolle spielen“, sagte die gebürtige Wienerin am Abend im Rathaus. Zu ihren Fachgebieten gehören auch soziale Fragen und die Thematik der Nachhaltigkeit. Komplettiert wird der Beirat von Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling, der an der HafenCity Universität Hamburg Dozent im Bereich Stadtplanung und Regionalentwicklung ist. Gemeinsam wollen die Fünf, die bewusst nicht aus der Region stammen und hier keine Bauprojekte verfolgen, um nicht voreingenommen zu sein, ihre individuellen Qualitäten einbringen, um Rostock architektonisch weiter voranzutreiben.
Entstanden ist der Planungs- und Gestaltungsbeirat auf der Basis von zwei Entscheidungen der Bürgerschaft, nachdem vor allem durch die Gestaltung des Parkhauses auf der Holzhalbinsel viele kritische Stimmen laut geworden sind. Es entstehen Kosten zwischen 50.000 und 80.000 Euro im Jahr und auch die Bauvorhaben der Stadt können kritisch unter die Lupe genommen werden. So auch auf der morgigen Sitzung, die sich mit dem geänderten Bebauungsplan der Holzhalbinsel beschäftigt. Dort soll, statt des eigentlich geplanten Hotels, nun neuer Wohnraum entstehen.
Eine komplette Tagesordnung kann man auf der Seite des Rathauses finden. Interessierte Bürger und Bürgerinnen sind herzlich eingeladen, an der Sitzung teilzunehmen. Rederecht haben sie allerdings nicht.
Bleibt abzuwarten, ob die weitere Zusammenarbeit weiterhin so konstruktiv und freundlich abläuft, wie die Vorstellungsrunde heute im Rathaus. Auch ist spannend, wie die Bauherren die Vorschläge aufnehmen und dann auch umsetzen. Dann wird sich zeigen, ob der Beirat wirklich etwas verändern kann, oder doch nur wieder nach dem alten Motto „Wenn du mal nicht weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis“ gehandelt wurde.