Aufatmen in Warnemünde! Die S-Bahn rollt ab dem 30. April 2016 wieder durchgängig vom Rostocker Hauptbahnhof bis zum Bahnhof Warnemünde. Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung, gab heute Nachmittag den symbolischen Abfahrtsbefehl für den ersten S-Bahn-Zug nach den Bauarbeiten in Richtung Warnemünde und erfüllte sich mit Schaffnermütze, Pfeife und Kelle einen „Kindheitstraum“. Der reguläre Linienbetrieb startet allerdings erst morgen früh.
Seit dem 2. Oktober 2015 mussten Reisende an der Station Warnemünde Werft auf Busse umsteigen oder zu Fuß bis zur Fähre nach Hohe Düne laufen, da die Stromgrabenbrücke vor dem Warnemünder Bahnhof erneuert wurde. Der 1903 errichtete Spüldurchlass der Warnow zwischen Altem Strom und Seekanal war marode und musste saniert werden. Über drei Bahngleise sowie die beiden Straßen „Am Bahnhof“ und „Am Passagierkai“ stellt die Brücke die Anbindung der Mittelmole her.

Die Sanierung der Stromgrabenbrücke war allerdings nur der erste Schritt in einem komplexen Bauvorhaben auf der Mittelmole, das die Verlegung des Warnemünder Bahnhofs nach Süden vorsieht. Für den weiteren Umbau des Bahnhofs läuft seit Februar das Planfeststellungsverfahren. Die Arbeiten werden nach derzeitigem Stand in zwei Abschnitten durchgeführt. Von September 2018 bis September 2019 wird ein elektronisches Stellwerk für die Strecke Bramow – Warnemünde Werft gebaut. Das jetzige mechanische Stellwerk ist bereits 46 Jahre alt, erläutert Arvid Kämmerer von der DB Netz AG.

Während dieser Maßnahme wird es erneut zu größeren Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr kommen. Noch laufen die Planungen, doch in etwa wird es wieder eine sechs- bis siebenmonatige Sperrung geben, erläutert Kämmerer – für viele Bewohner von Markgrafenheide und Hohe Düne ein Problem. Auf einen Schienenersatzverkehr von der S-Bahn-Station Warnemünde Werft zum Bahnhof oder Fähranleger mussten sie in den letzten Monaten verzichten.
Ob sich das während der nächsten Bauabschnitte ändert, bleibt fraglich. Technisch wäre ein Schienenersatzverkehr zum Fähranleger problemlos möglich, sind sich die RSAG-Vorstände Michael Schroeder und Jan Bleis einig. Knackpunkt sind jedoch die Kosten, die das Land tragen müsste.

Fakten zum Neubau der Stromgrabenbrücke:
- Baubeginn: 8. September 2015, Beginn Sperrung Bahnstrecke: 2. Oktober 2015
- Errichtung des Bauwerks als Halbrahmen aus Stahlbeton auf Bohrpfählen
- Länge über alles: 50 Meter, davon zwei Straßenbrücken mit jeweils 13 Metern und Bahnbrücke mit 23 Metern (über drei Gleise)
- Lichte Weite: 5,50 Meter
- Kosten: 3,3 Millionen Euro - Gemeinschaftsprojekt Hansestadt Rostock (53%) und DB Netz (47%) sowie StALUMM (Berücksichtigung Hochwasserschutz, geringer Kostenanteil)