Baustopp für Strandoase Treichel in Warnemünde

Für die beliebte Strandoase Treichel in Warnemünde wurde ein Baustopp ausgesprochen. Umweltminister Till Backhaus erklärte heute die Gründe und gab der Stadt die Schuld.

29. März 2021, von
Baustopp für Strandoase Treichel in Warnemünde (Foto: Archiv)
Baustopp für Strandoase Treichel in Warnemünde (Foto: Archiv)

„Es ist ein Schwarzbau!“, ereifert sich Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus (SPD) am Montagnachmittag in einem virtuellen Pressegespräch. Stein des Anstoßes ist die Strandoase Treichel in Warnemünde. Das Backhaus untergeordnete Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) hat Anfang März einen Baustopp verhängt und begründet dies vor allem mit der fehlenden Baugenehmigung.

„Sie bauen im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand“, wandte sich der Minister direkt an den Betreiber Matthias Treichel, der mit seinem Rechtsbeistand Christian Schliemann an dem Online-Gespräch teilnahm. „Ich bin keiner, der sich über Gesetze hinwegsetzen möchte“, entgegnete Treichel. „Ich habe bereits 2010 Bauanträge gestellt, die nie bearbeitet wurden.“ Ohne B-Plan, kein Bauantrag, sei ihm von der Stadt gesagt worden. Und genau dort liegt das eigentliche Problem.

Am B-Plan, der den Bau fester und saisonaler Bauten im Strandbereich Warnemünde regeln soll, wird seit mehr als zehn Jahren gearbeitet, fertig wurde er nie. Aktuell gibt es einen neuen Anlauf, doch der Bebauungsplan kann frühestens zur nächsten Saison in Kraft treten.

„Aus meiner Sicht sind damit illegale Zustände geduldet worden durch einen Bau- und Umweltsenator“, kritisierte Backhaus in scharfem Ton Holger Matthäus, der nicht am Gespräch teilnahm. „Insofern gehe ich davon aus“, so der Minister, „dass die Hansestadt Rostock jetzt endlich ihre Schulaufgaben macht.“ Seit zehn Jahren hätten sie die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass entweder ein B-Plan oder Einzelgenehmigungen notwendig sind.

Es gehe keineswegs um eine Formalie und auch längst nicht nur um den Küstenschutz, ergänzte StALU-Amtsleiterin Ines Liefke. „Ich persönlich mache mir auch Sorgen um Leute, die sich dort in einer Gaststätte aufhalten.“ Niemand hätte jemals geprüft, ob die Anlage statisch hält, ob sie den Brandschutzbestimmungen entspricht oder was mit dem Brauchwasser aus der Gastronomie passiert. Beim Hochwasser im letzten Oktober haben die Betreiber ihren Pavillon mit aufgeschobenen Sandwällen geschützt. „Da muss man fragen dürfen, ob man sich nicht sicher war, dass es auch hält.“ Bei einer Sturmflutwarnung muss der Rückbau von Strandanlagen binnen zwölf Stunden möglich sein. Bei der Strandoase sei dies offensichtlich nicht der Fall.

„Es ist ein Zustand entstanden in einer Größe, die wir nicht mehr dulden konnten“, so Liefke. Mit 300 Quadratmeter Grundfläche und Platz für bis zu 150 Personen sei die – in dieser Form seit 2018 bestehende – Strandoase „schlicht Gastronomie“ und keine kleine Strandversorgung mehr. Das StALU hätte die Verwaltung immer wieder darauf hingewiesen. Zuletzt sei im Februar ein Schreiben an Stadt und Betreiber gegangen – der Baustopp kam „mit Ansage“, bekräftigt die Amtsleiterin.

Ganz ausdrücklich lobte Backhaus den Einsatz von Matthias Treichel, was die Barrierefreiheit seiner Anlage betrifft. Das hätte man „sehr wohl im Blick“ und wolle „dabei auch unterstützen“, so der Minister. Der Pavillon verfügt nicht nur über eine Rampe, es gibt einen rollstuhlgerechten Zugang, spezielle Strandkörbe und sogar Baderollstühle. Erst im letzten Jahr betonte die Präsidentin des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern Birgit Hesse an dieser Stelle, wie wichtig die Barrierefreiheit für den Tourismus im Land sei.

„Wir wollen den Strand erlebbar machen“, stellt Backhaus klar. Neben Sanitäranlagen gehöre dazu auch eine „eine vernünftige, angepasste Versorgung“ – allerdings nur mit Genehmigung. Für die kleineren Strandversorger versprach er eine schnelle Bearbeitung der Anträge in der Woche nach Ostern.

Wie es mit der Strandoase weitergeht, bleibt vorerst offen. In diesem Jahr muss voraussichtlich eine andere Lösung gefunden werden. Für die Zukunft könnte sich Treichel vorstellen, seine Anlage näher an der Düne zu errichten, wo der Strand so hoch ist, dass durch Hochwasser keine Gefahr besteht. Für Backhaus sind das „erste vernünftige Ansätze“. „Gehen Sie auf Frau Lieske zu“, forderte er den Unternehmer auf und versprach: „Wenn sie nicht weiterkommen, stehe ich Ihnen zur Verfügung.“ Doch „wir sind nicht im Wilden Westen und auch nicht im Wilden Osten“, stellte der Minister abschließend klar.

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