Theaterfest der Freundschaft im Peter Weiss Haus

Ein Wochenende mit vielfältigem Programm aus Theater, Tanz, Improvisationen und Workshops

20. September 2010, von
MonGotheque Allstars mit "Under PleasSure"
MonGotheque Allstars mit "Under PleasSure"

Die Doberaner Straße entwickelt sich noch zum Rostocker Broadway. Zumindest hätte man am letzten Wochenende diesen Eindruck gewinnen können. Im Großen Haus des Volkstheaters wurde die neue Spielzeit mit der Uraufführung von Münchhausen eingeläutet und am nächsten Tag waren am gleichen Ort interessierte Theaterbesucher zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Nur wenige Schritte weiter, im Peter Weiss Haus, drehte sich ebenfalls alles um die Bretter, die die Welt bedeuten. Beim „Theaterfest der Freundschaft“ wurde ein ganzes Wochenende lang ein vielfältiges Programm aus Theater, Tanz, Improvisationen, Feuershows und Jonglage auf die Bühne gebracht. „Wir hatten einfach Lust, so etwas zu machen“, sagte Martin Arndt vom Organisationsteam. Mit dem Theaterfest möchten die Veranstalter, das Peter Weiss Haus und die Subraum e.G., eine Alternative zur Rostocker Theaterlandschaft anbieten und besonders jungen und freien Ensembles die Möglichkeit geben, ihre Arbeit zu präsentieren.

Tanzbühne Rostock mit "produkt ICH"
Tanzbühne Rostock mit "produkt ICH"

So nutzten dann auch die Tanzlandstudios Rostock mit ihrem Stück „Scanning“ oder die TanzBühne Rostock das Theaterfest, um ihre Tanztheaterproduktionen dem Publikum vorzustellen. Franziska Krija von der TanzBühne Rostock weiß es sehr zu schätzen, dass sie sich mit ihrem Stück „produkt ICH“ einfach und unkompliziert in das Theaterfest einbringen kann, ohne sich selbst allzu großen organisatorischen Aufwand aufbürden zu müssen. Auf diese Weise kann sich die Landschaftsarchitektin voll auf ihr Theaterprojekt konzentrieren, für das sie selbst das Konzept und die Choreografie entwickelt hat. „Ich wollte schon immer die Auseinandersetzung mit den Fragen, wie behaupte ich mich in meinem Beruf, was will ich erreichen, ist man wirklich frei, tänzerisch darstellen“, sagt sie über „produkt ICH“, das sie am Sonntagabend gemeinsam mit sieben Tänzerinnen im Studio des Peter Weiss Hauses aufführte.

Mongotheque Allstars mit "Under PleasSure"
Mongotheque Allstars mit "Under PleasSure"

Aber nicht nur Rostocker Bühnendarsteller gaben Impulse auf dem Theatertreffen. Auch aus Berlin und anderen Orten reisten Künstler und Ensembles an, um das umfassende Programm zu ergänzen. Eine Gruppe von ihnen waren beispielsweise die „MonGothéque Allstars“. „Wir brauchen was Neues im Tanz“, haben sich die fünf Tänzer gedacht und mit viel Neonfarben und elektronischer Musik das schräge Tanzspektakel „Under PleasSure“ kreiert. Nach dem Motto „Barbie hat ein lachendes und ein weinendes Auge“ wollen sie mit fantasievollen Kostümen und kraftvollem Tanz den gängigen Schönheitsidealen in der Fashionwelt auf den Grund gehen. Für Philipp Hinze, der das ganze Theaterfest aufmerksam verfolgte, war das Stück der Höhepunkt. „Da stimmte alles – Kostüme, Musik, Choreografie. Ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt“, lobte er die Darbietung.

Ana Kavalis in "Lilith im Spiegel"
Ana Kavalis in "Lilith im Spiegel"

Ebenfalls in die Kategorie Tanztheater ließ sich das Einpersonenstück „Lilith im Spiegel“ von Ana Kavalis einordnen. Darin verkörpert sie Lilith, die einer jüdischen Legende nach, als erste Frau Adams das Paradies verlässt, weil sie nicht die Herrschaft des Mannes akzeptierte. Sie kämpft gegen ihre Dämonisierung und für ihre Liebe und Freiheit. „Es geht um den Wunsch der Frau, frei zu leben, wie sie möchte und nicht auf Stereotype begrenzt zu werden“, erklärte die Schauspielerin, die das Stück auch selbst geschrieben hat. Das Publikum konnte auf der Bühne ihre Reflexion beobachten, in der sie auch immer wieder starke Frauenpersönlichkeiten in verschiedenen Sprachen zu Wort kommen ließ.

im Freigarten des Peter Weiss Hauses
im Freigarten des Peter Weiss Hauses

Neben Tanztheater hielt das Theaterfest der Freundschaft aber auch noch viele andere Formen der darstellenden Kunst bereit, die teilweise im Peter Weiss Haus parallel gezeigt wurden. Puppentheater, Musical, Improvisationstheater, zirzensische Darbietungen – für jeden Geschmack sollte etwas dabei gewesen sein. „Mich hat das Trashmusical ‚Muttertag‘ von der Edda Woods Cooperation beeindruckt. Erst war ich skeptisch, aber dann ging es mir unter die Haut“, schilderte Karl Haug seine Eindrücke vom ersten Theaterfest im Peter Weiss Haus, welches am Sonntagabend zu Ende ging.

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