„Dann können wir im Februar wieder rein ins Große Haus und dort spielen.“ Beifall und Zuspruch erntete Jochen Bruhn, Geschäftsführer der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding GmbH (RVV) und kaufmännischer Berater des Volkstheaters, für seine Aussage.
Gemeint ist der Februar nächsten Jahres und Voraussetzung ist der Einsatz von 2,26 Millionen Euro, um das Große Haus nach seiner Schließung im Februar wieder bespielbar zu machen. Schneller geht es nicht, so Bruhn, bis dahin solle ein Theaterzelt als Provisorium dienen. Aus wirtschaftlicher Sicht sei dies der vernünftigste Weg, bekräftigte er. „Alle anderen Varianten sind teurer, auch ein Zelt für vier oder fünf Jahre.“

Beim Bürgerforum „Ein neues Theater für Rostock“ blieb man heute Abend weitgehend unter sich – Theatervolk, Förderverein und Politik. Mahnende Worte waren daher Mangelware und wenn, mochte man sie kaum hören.
Etwa beim Vergleich mit dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, den Bruhn ebenfalls zog. Ein Prozent der Rostocker hat ein Theater-Abo, in Schwerin sind es sieben. Und bezogen auf die Einwohnerzahl engagieren sich im Schweriner Förderverein gar zehn Mal so viele Mitglieder wie in Rostock. „Das sind Zahlen, die sollten zu denken geben“, bekräftige Bruhn.

Leonard verwies auf einen Theaterneubau in Nordfranken, der in den Neunzigern auf einen Schlag für 5.000 neue Abonnenten gesorgt hätte – bei gerade mal 30.000 Einwohnern. „Wir haben also eine sehr positive Zukunft vor uns“, lautete sein Fazit.
Doch Erfolg ist keine Frage der Spielstätte! Gerade erst wurde das Schweriner Staatstheater für seine Biberpelz-Inszenierung mit einer Einladung zum Theatertreffen in Berlin geadelt – als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der vergangenen Saison. Nach 1994 übrigens schon zum zweiten Mal. Rostock? Fehlanzeige!
„Wir haben in den letzten Jahren bewiesen, dass wir Theater machen für die Rostocker“, so Leonard. Ob das für die erforderlichen zusätzlichen Zuschauerströme genügt? Überregionale Wahrnehmung gibt es derzeit höchstens bei den Querelen um den Theaterneubau.

Die Ertüchtigung der Halle 207 sieht auch der Intendant als Möglichkeit für mehr Zuschauer und höhere Einnahmen, sind so doch Konzerte und Schauspielaufführungen gleichzeitig möglich. Sie soll den Neubau nicht ersetzen, sondern als Sprungbrett dienen, bis der Neubau fertig ist und danach parallel genutzt werden. „Und wohlgemerkt nicht als Konzerthalle, sondern als Mehrzweckhalle für die Benutzung von allen Sparten“, so Leonard, der auch einen gewissen Bedarf für eine Fremdvermietung der Halle sieht.
In Kooperation mit dem Landestheater Parchim steht gar eine fünfte Sparte im Mittelpunkt von Leonards Konzept, „um Familie, Kinder und Jugend zu bedienen“. Potenzial sieht er auch bei den Studenten, von denen ein Drittel nur ab und zu, ein Drittel gar nicht erreicht wird.

Das Problem: Der Jahresfehlbetrag würde sich im gleichen Zeitraum dennoch von 2,2 auf 4,4 Millionen Euro glatt verdoppeln! Zu Optionen auf der Kostenseite, etwa einem Regionaltarifvertrag, wollte sich Bruhn nicht weiter auslassen, damit müsse sich das Theater auseinandersetzen. „Wenn man nichts tut, ist das Ganze nicht mehr finanzierbar“, stellte er jedoch klar.
45 Millionen Euro hat Bruhn für das Gesamtprojekt veranschlagt, doch wer soll das bezahlen? Nach derzeitiger Haushaltslage sei ein Neubau nur über einen Kredit finanzierbar, beschrieb Oberbürgermeister Roland Methling die Lage. Doch, „wir sind in der Lage, die Finanzierung eines neuen Hauses in einer Größenordnung von 40 Millionen Euro sicherzustellen“, gab sich das Stadtoberhaupt optimistisch.
Mit etwa drei Millionen Euro Kosten würde dies den Haushalt der Hansestadt im Jahr zusätzlich belasten. Gibt es Fördermittel, würde sich die Belastung auf 1,5 Millionen Euro pro Jahr reduzieren - Methling rechnet mit 15 bis 20 Millionen Euro aus dem Städteförderungsprogramm.
Nicht für alle Mitglieder der Bürgerschaft stellt sich die Finanzierung so einfach dar. Johann-Georg Jaeger, Fraktionsvorsitzender der Grünen, zeigte sich deutlich skeptischer. „Wir möchten auch einen Theaterneubau in Rostock“, stellte er klar, angesichts der Finanzierungslage bedeute dies aber, dass „eine zu kurze Decke hin und her gezogen wird.“

Und wo soll das Theater nun stehen? Neue Argumente gab es heute nicht und auch keine Zahlen dazu, wie sich die Kosten an den jeweiligen Standorten unterscheiden. Aus Sicht von Stadtplaner Ralph Müller gehört die neue Spielstätte ganz klar in den Christinenhafen, um den Stadthafen gleich mit zu entwickeln. Samt Brücke oder Tieferlegung der Straße „Am Strande“ dürfte es jedoch auch die teuerste Lösung sein.
An den Bussebart wolle Leonard nach den Protesten der Schausteller nicht mehr. Möglichst schnell solle es gehen und ohne großen Widerstand.
Der Weg des geringsten Widerstands - anscheinend nicht nur, was die Standortfrage betrifft. Ob dieser jedoch langfristig zum Erfolg führt?