Scheitert der Aufstieg des FC Hansa Rostock in die Zweite Bundesliga am Bau des Darwineums? Vielleicht ist das etwas überspitzt formuliert und zur Polarisierung geeignet. Aber das nimmt Dr. Jens Schweder, Vorsitzender des TC Fiko Rostocker Triathlonclub Rostock e.V., in Kauf, um die Interessen der Läufer im Barnstorfer Wald zu vertreten.
In dem nicht nur bei Sportlern beliebten Stadtwald hat der Rostocker Zoo vier Hektar eingezäunt. Gut die Hälfte davon wird das Darwineum selbst einnehmen. Der Rest wird durch Besucherwege und Abstandsflächen verbraucht. Durch die Baumaßnahmen ändert sich die Wegführung im Barnstorfer Wald und beeinflusst dadurch die Trainingsbedingungen der Sportler.
Für heute Nachmittag hatten deshalb die Sportvereine und der Zoo einen Termin vereinbart, in dem die unterschiedlichen Interessen besprochen und nach einem Kompromiss gesucht werden sollte.

In Abstimmung mit dem FC Hansa Manager Stefan Beinlich, der bei dem Gespräch nicht anwesend war, distanzierte sich Ralf Skopnik, Vorsitzender des Leichtathletikvereins 1. LAV, von dieser Art der Verständigung. „Wir möchten uns dafür entschuldigen, dass diese Erklärung, die Grundlage dieses Gesprächs sein sollte, ohne unser Wissen an die Presse weitergeleitet wurde. Dagegen möchten wir uns verwahren. Denn der Sport und der Zoo sind durchaus wertvolle Partner“, so Ralf Skopnik.

Als „Psychoschocker“ bezeichnete Reinhard Wolff vom Kreisleichtathletikverband die Aussicht für die Sportler, am neuen Zaun entlang laufen zu müssen.
Doch während die Sportler ein Problem mit dem Flächenkonzept des Darwineums haben, versucht Zoodirektor Udo Nagel damit ein anderes zu lösen, nämlich das Menschenaffenproblem. „Wir müssen die Anlage in dieser Größenordnung bauen, sonst genehmigt uns das europäische Artenschutzprogramm das nicht. Die Alternative wäre die Menschenaffen abzugeben“, erklärte Udo Nagel. Dass das wiederum Einfluss auf die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Zoos habe, wovon auch die Sicherheit der etwa 100 Arbeitsplätze im Zoo abhängt, weist auf die wirtschaftliche Bedeutung des Zoos hin.

Nicht zuletzt wegen dieser Maßgabe wird das Darwineum auch vom Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern mit EU-Mitteln in Höhe von 22,8 Millionen Euro gefördert. Der Zoo soll damit zukunftssicher gemacht werden, gerade auch, weil er sich mit anderen Freizeitangeboten wie zum Beispiel dem Ozeaneum in Stralsund vergleichen lassen muss und um Besucher ringt.
„Der Sport ist aber auch ein Wirtschaftsfaktor“, warf Dr. Jens Schweder ein. „Daran hängen Trainer und Leistungssportler. Wenn ihre Trainingsbedingungen verschlechtert werden, dann ziehen sie weg oder hören auf, weil sie keinen Erfolg mehr haben und kein Geld verdienen. Damit sind auch Arbeitsplätze verbunden.“

Auch seitens der Sportfunktionäre wurde Entgegenkommen signalisiert. „Wir wollen auch helfen. Wir müssen was gemeinsam machen. Warum soll der Sport nicht integriert werden?“ sagte Bernhard Trespe vom 1. LAV.
Dennoch wollte man sich heute noch nicht auf einen Kompromiss einigen und will am 21. Januar zu einem weiteren Gespräch zusammenkommen.

Das dürften einige Randalierer auf dem Weihnachtsmarkt wohl leider anders sehen, die nun schon zum zweiten Mal den Stand des Zoos demoliert haben, wie der Zoodirektor am Abend bekannt gab.