Eine große Geburtstagsgesellschaft zog am Freitag, dem 24. Juni durch Rostocks Innenstadt. Bis zu 300 Gäste waren der Einladung des Rostocker Stadtführervereins, dem Verein für Rostocker Geschichte und dem Plattdütsch-Verein „Klönsnack-Rostocker 7“ gefolgt, um den 793. Stadtgeburtstag zu feiern.

Informative Vorträge vermittelten Wissenswertes und interessante Anekdoten aus der reichen Geschichte der Hansestadt. Musikalische Beiträge vom Plattdütsch-Verein im Rathaus und von Studenten der Hochschule für Musik und Theater im Barocksaal lockerten die über dreistündige Tour auf. Für fröhliche und festliche Stimmung war also gesorgt.
Aber was wäre ein Geburtstag ohne Geschenke? Gleich an zwei Stationen des Rundgangs wurden Gaben überreicht.

Wind wehte auch kräftig in die Segel der 14 Optimisten, die vor dem Rathaus an die Segelsportvereine übergeben wurden. Über die kleinen Segelboote freute sich besonders der Rostocker Segelnachwuchs, der das Durchschnittsalter der Geburtstagsgesellschaft an dieser Station merklich um einige Jahre verjüngte.

Schwerpunkt des Rundgangs war jedoch der Universitätsplatz. Gleich zwei Anlaufpunkte aus der jüngeren Geschichte Rostocks wurden hier näher unter die Lupe genommen: das Fünfgiebelhaus und der Brunnen der Lebensfreude.

„Nach einem zusammenhängenden Gestaltungskonzept entwickelten wir ein Haus, was von der Türklinke bis zum Revers des Kellners aus einem Gusse kommt“, sagt Architekt Baumbach über den damaligen Anspruch. Über die jetzige Ansicht des Hauses zeigt er sich verletzt. Sonnenschirme, Wäscheleinen und Werbeschriften verstellen den Blick auf das Glockenspiel, die Uhr und das Relief „Harlekin und Columbine“. Auch Bildhauer Wolfgang Friedrich beklagt, „wie sich der öffentliche Raum vernutzt.“ Für diese klaren Worte ernten beide zustimmenden Applaus der Zuhörer, während die Gäste des besagten Restaurants verdutzt von ihrem Eisbecher aufschauen.
Anschließend wandten sich beide dem danebenliegenden „Brunnen der Lebensfreude“ zu, der den Universitätsplatz schmückt. Die figürlichen Darstellungen von Menschen und Tieren wurden von Reinhard Dietrich und Jo Jastram angefertigt und 1980 aufgestellt. Seither übt der Brunnen nicht nur eine erfrischende Wirkung aus, sondern prägt - inmitten der Stadt gelegen - auch das Bild Rostocks auf besondere Weise.

Der Vergleich von alten grafischen Darstellungen, Gemälden und Fotografien verdeutlicht den Wandel unserer Hansestadt. Ein Wandel, der sich auch in unserer Gegenwart fortsetzt und für Diskussionsstoff sorgt, wie sich jüngst bei den Planungen zur Umgestaltung des Platzes am Kröpeliner Tors offenbarte und auch zum Abschluss des Stadtrundgangs noch einmal thematisiert wurde.