Eröffnungswochenende im Theaterzelt des Volkstheaters
Am Wochenende beginnt die neue Spielzeit des Volkstheaters Rostock – in diesem Jahr in einem Theaterzelt am Werftdreieck
20. September 2011, von Stefanie
Noch ist nicht alles festgenagelt und festgeklebt im Theaterzelt. Am Wochenende soll hier die neue Spielzeit des Volkstheaters Rostock offiziell mit einem Eröffnungswochenende beginnen. Das Große Haus steht bekanntermaßen nicht dafür zur Verfügung. Mit dem Zweipersonenstück „Zu dir oder zu mir?“ in der Kleinen Komödie in Warnemünde wurde bereits letzte Woche die erste Premiere gefeiert.
Im Zeltkomplex zwischen Max-Eyth- und Werftstraße herrscht jedoch noch Baustellenatmosphäre. Kabel, Baumaterialien und Werkzeug liegen hier und da herum, Wege müssen noch verlegt und die Sanitäranlagen installiert werden.

Das Bühnenzelt ist aber schon gut vorbereitet. Die Bühne ist mit Kulissen ausgestattet, 410 Besucherplätze im Zuschauerraum verteilt, die Technik montiert und das Orchester kann auch schon vor der Bühne Platz nehmen.
Seit einigen Tagen laufen im Theaterzelt die Proben für die neuen Stücke, die hier ab dem Wochenende aufgeführt werden sollen. Gestern durften interessierte Besucher an der Einführungsveranstaltung für „1st Dancework with Orchestra“ teilnehmen und die Probe für die erste Uraufführung der Spielzeit 2011/2012 besuchen.

Die Wiederaufnahmeprobe war die erste öffentliche Veranstaltung in dem Theaterzelt. Die Einblicke in das Stück, in dem das Tanztheater Bronislav Roznos und die Norddeutsche Philharmonie Rostock zum ersten Mal zusammenarbeiten, überzeugen die Probebesucher. „Tänzer und Musiker gemeinsam auf der Bühne finde ich sehr eindrucksvoll. Auch die Musikstücke sind sehr interessant“, sagt Cornelia Krumm, die eventuell auch die Premiere am Samstag besuchen wird. Und der Spielort? „Das Zelt hat eine tolle Atmosphäre. Für die Musiker ist es jedoch nicht so optimal von der Akustik her“, schätzt die Probenbesucherin, die selbst Musikerin ist, ein.

„Ich habe die Akustik bis jetzt als sehr angenehm empfunden, anders, aber auf keinen Fall schlechter“, lautet das Urteil des ersten Kapellmeisters der Norddeutschen Philharmonie Manfred Hermann Lehmann, der die musikalische Leitung für „1st Danceworks with Orchestra“ übernommen hat.
„Es ist natürlich etwas ganz anderes als im Großen Haus. Man hört Geräusche von draußen, an die man sich erst mal gewöhnen muss“, weist Tontechniker Michael Martin auf eine Besonderheit der dünnwandigen Spielstätte hin, die nicht unweit einer S-Bahn-Haltestelle errichtet wurde.
Am Freitag hat sie den ersten richtigen Besuchertest zu bestehen. Für die erste Vorstellung im Theaterzelt steht „Effi Briest“ auf dem Programm. Ein Stück, das schon in der letzten Spielzeit unter besonderen Umständen Premiere feierte.

Wer sich außerhalb einer Vorstellung einen Eindruck von der neuen Spielstätte des Volkstheaters machen möchte, hat am Sonntag beim „Tag des offenen Theaterzeltes“ dazu Gelegenheit. Von 11 bis 13 Uhr werden Künstler aller vier Sparten Ausschnitte aus Stücken der aktuellen Spielzeit im Foyerzelt und im großen Zelt präsentieren. Auch aus „La Bohème“, der ersten Musiktheaterpremiere, werden schon kleine Kostproben zu erleben sein.
Und ab wann steht das Große Haus wieder für Aufführungen zur Verfügung? „Voraussichtlich nicht mehr in dieser Spielzeit. Unsere erste Veranstaltung haben wir mit der nächsten Spielzeit, ungefähr in einem Jahr“, verkündet Intendant Peter Leonard. Schon ab Februar sollen die Künstler und Gewerke jedoch die Räumlichkeiten des Großen Hauses für Proben nutzen können. „Wir proben im Moment in verschiedenen Räumen in der ganzen Stadt, in Schulen, im Festsaal des Rathauses, sogar im Polizeipräsidium“, berichtet der Intendant vom anhaltenden Ausnahmezustand beim Rostocker Volkstheater.