Shakespeare, Molière, Kleist – kein Name, kein Stoff ist der Compagnie de Comédie zu groß, um nicht gespielt zu werden, selbst wenn das Ensemble aus nur wenigen Schauspielern besteht.
Seit 20 Jahren beherzigt das freie Theater diese Erfolgsformel und hat sich so zu einem festen Bestandteil der Kulturlandschaft Rostocks und darüber hinaus etabliert.
Aber die Zeiten waren nicht immer einfach. Aus der Not heraus entwickelte sich die Idee eines freien Theaters, verursacht durch eine große Entlassungswelle am Volkstheater Rostock (VTR) 1990. Geschockt von der ungewohnten Situation, aber euphorisiert durch die neuen Zeiten nach der politischen Wende, rauften sich einige Betroffene zusammen und gründeten die Compagnie de Comédie, damals noch mit sieben Schauspielern. Inhaltlich und konzeptionell war der Pantomime, Regisseur und spätere Schauspieldozent Joachim Lemke maßgeblich verantwortlich, erinnert sich Martina Witte. Auch sie wurde - nach ihrer Kündigung als Schauspieldramaturgin für das Kinder- und Jugendtheater am VTR - Gründungsmitglied des neuen Theaters und übernahm 1993 dessen Leitung.
Sein erstes Zuhause hatte das Ensemble in einem kleinen Veranstaltungsraum des Heinrich-Mann-Klubs in der Hermannstraße. Die erste Premiere, Aristophanes „Eirene“, wurde am 12. Juli 1991 aufgeführt.

Harte Zeiten hat die Schauspieltruppe auch im Kampf um Kulturgelder hinter sich. „Als wir angefangen haben, wurden neue Projekte durch das Arbeitsamt finanziert. Es waren rosige Zeiten, die heute gar nicht mehr möglich sind. In den 20 Jahren haben wir es aber geschafft, uns unabhängig zu machen “, blickt die Theaterleiterin zurück.
Zu 55 Prozent finanziert sich das Theater heute selbst. 130.000 Euro Zuschüsse gibt es von der Hansestadt Rostock und 70.000 Euro vom Land.
Vier Schauspieler, zwei Techniker und drei weitere Mitarbeiter beschäftigt die Compagnie de Comédie. Gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Unterstützern stemmen sie insgesamt 400 Veranstaltungen im Jahr. 200 davon spielt das Ensemble selbst. Der Rest wird mit Gastspielen gestaltet und das nicht nur im Haus im Stadthafen, sondern von Ende Mai bis Anfang September zusätzlich auf der Freilichtbühne im Klostergarten. Auch die Sommerbespielung gehört zum Erfolgsrezept der Compagnie, locken die Stücke doch vor allem Touristen an die Bühne.

„Früher gab es jedoch mehr Freiräume. Da hat man auch Autoren gespielt, von denen man nur fünf oder sechs Vorstellungen gezeigt hat“, sagt Martina Witte. „Heute werden vor allem Stücke ausgesucht, von denen wir hoffen, dass sie viel Publikum finden. Wir können uns keinen richtigen Flopp leisten“, macht sie auf die schwierige Situation aufmerksam.
Aber dennoch: „Mit wenig Leuten viele Rollen zu spielen und große Stoffe anzugehen, das finde ich total reizvoll.“

Gefeiert wird dieser übrigens am 2. Juli ab 15 Uhr an, in und vor der Bühne 602 im Rostocker Stadthafen. Moderiert wird die Veranstaltung vom Compagnie Urgestein Georg Haufler.
Viele Kollegen und langjährige Gefährten werden es sich nicht nehmen lassen, auf dem Theaterfest ein Ständchen zu bringen. So dürfen sich besonders die Kleinen auf Sabines Zinneckers Puppentheater „Drei kleine Schweinchen“ freuen. Auch die Ballettschule Markquardt, das Kabarett RohrSTOCK, Dietrich und Raab, die Niederdeutsche Bühne und das Theater am Ring werden dabei sein. Eine Ausstellung mit Inszenierungsfotos aus jedem Compagniejahr, ein Kalender, ein Gewinnspiel und viele weitere Aktionen werden das Fest abrunden. Für 18 Uhr ist der offizielle Festakt angesetzt. Abends klingt die Geburtstagsparts dann mit Live-Musik der Rostocker Band Jackbeat aus.